Ausgabe:  März 2021

Planen, so gut es geht

Altenzentrum. Unwägbarkeiten bei der Pandemie haben so manche Planung im Altenzentrum erschwert. Anstelle des im Oktober 2020 ausgefallenen Jahresfestes wurde am 21.3. 2021 ein Nachmittag der Begegnung geplant, doch auch dieser muss nun bis in den Frühsommer verschoben werden. Die Situation gleicht der eines Autofahrers, der bei Nebel nur „auf Sicht“ fahren kann.

Manches beim Umgang mit der Pandemie ist aber auch schon zur Routine geworden. Die Besuchsregelungen sind inzwischen den meisten Menschen, die ins Haus kommen, vertraut. Ein negativer Test ist Voraussetzung für einen Besuch. Zuletzt wurden bei Mitarbeitenden und Besuchspersonen mehr als 500 Testungen pro Woche durchgeführt. Ohne die Mithilfe vom Deutschen Roten Kreuz und von Angehörigen der Bundeswehr wäre dies große Zahl nicht zu erreichen gewesen.

Am 6. Februar wurde mit Impfungen begonnen. Ein Team des Impfzentrums Tübingen nahm die Impfungen, bei Vorliegen einer Einverständniserklärung und nach Ausschluss von Gegenanzeigen, an Bewohnerinnen und Bewohnern sowie an Mitarbeitenden vor. Die zweite Impfung wurde für den 27. Februar geplant.

Derweil gehen die Bauarbeiten am „Haus am Eck“ weiter. Im Innenbereich sind sie fast abgeschlossen. Im Frühjahr werden noch die Außenanlagen erneuert. Nach Abschluss der Baumaßnahmen soll es eine Gelegenheit für eine Besichtigung geben.

Eine Weiterführung der Schriftenmission nach dem für viele überraschenden Tod von Schwester Luise Vogel am 10. Januar wurde zumindest vorläufig geregelt. Die Versandkartei umfasst mehr als 4000 Adressen. Bestellungen müssen bearbeitet und Anfragen beantwortet werden. Unsere Mitarbeiterin Hanna Krestel hat sich dieser Aufgabe angenommen.

Damit das Wort Gottes hörbar und erlebbar bleibt, dafür stehen weiterhin die Gottesdienste und Bibelstunden, die sonntags und dienstags vom Festsaal aus auf die Wohnbereiche und in manches Zimmer übertragen werden. „Fahren auf Sicht“ und Planungsänderung betrifft auch meine eigene Verabschiedung in den Ruhestand. Diese war für den 28. März geplant, wird aber nun auf den 13. Juni verschoben.

Bei allem Weitergehen gilt: „Der du allein der Ewge heißt / und Anfang, Ziel und Mitte weißt / im Fluge unsrer Zeiten: / Bleib du uns gnädig zugewandt / und führe uns an deiner Hand, / damit wir sicher schreiten.“ (EG 64,6)

Angeredet wird hier der barmherzige Gott. Er hat die Zeit in Händen.

Pfarrer Jörg Lamparter

Ausgabe: Montag, 15. Februar 2021

Mit Klubraum und Sonnenterrasse

Metzingen                           Postkarten erzählen Geschichte (32):
Fast ganz neu war das Altenheim, als Luise Bär im Jahr 1972 an ihre Verwandten geschrieben hat. Vor einem Jahrzehnt musste es einem Neubau weichen.

von Rolf Bidlingmaier

© Stadtarchiv Metzingen

Das Altenheim ist längst einem Neubau gewichen. Nur die Parkanlage mit Teich existiert noch.

Die 50 Jahre alte Postkarte hat bereits historischen Wert. Das darauf abgebildete Metzinger Altenheim des Evangelischen Diakonissenrings wurde vor einem Jahrzehnt abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Lediglich die im Vordergrund zu sehende Parkanlage mit dem Teich existiert noch in dieser Form.

Das Metzinger Altenheim wurde 1966 bis 1968 nach Plänen des Metzinger Architekten Richard Strohhäcker im Stil des Brutalismus errichtet. Roher Beton stand hoch im Kurs. Es war für seine Zeit ein modernes Haus, wie die Stuttgarter Zeitung zur Einweihung am 1. Juli 1968 berichtete: „Etwa 120 alte Menschen können ihren Lebensabend in einem neuen Altenheim mit Pflegeabteilung in Metzingen verbringen, das der dortige Evangelische Diakonissenring am Sonntag mit einem Gottesdienst eröffnete. Nach den Plänen des Nürtinger Architekten Strohhäcker wurde in zweijähriger Bauzeit ein am Rand der Stadt großzügig angelegtes Gebäude in Sichtbeton errichtet. Die meisten alten Leute bewohnen ein Einzelzimmer. Ein großer Speisesaal, ein Andachtsraum, mehrere Klubräume, gemeinsame Balkone und Sonnenterrassen sowie ein Park mit Sitzgelegenheiten und Bocciabahn laden zu Geselligkeit und Gemeinschaft ein. Staatliche, kommunale und kirchliche Stellen unterstützten finanziell dieses Projekt, das 5,8 Millionen Mark gekostet hat.“

Der Evangelische Diakonissenring war mit seinem Gründer und Geschäftsführer, Pfarrer Richard Neumaier, 1955 aus Dettenhausen nach Metzingen gekommen. Fabrikant Hermann Gaenslen, Teilhaber der Firma Gaenslen & Völter, hatte damals das Wohnhaus Olgastraße 15 erworben, umgebaut und dem Evangelischen Diakonissenring zur Verfügung gestellt. Dieser richtete dort ein kleines Altersheim ein. 1960 erwarb der Diakonissenring die Villa Winkler in der Neuffener Straße, hinter der später das Altenheim an der Elsa-Brändström-Straße gebaut wurde. Daneben betrieb der Diakonissenring für einige Zeit auch ein Säuglingsheim in Metzingen.

Die Postkarte wurde im März 1972 von Luise Bär an Willy Woywod nach Zittau in der Oberlausitz gesandt, was damals in der DDR lag. Luise Bär stammte aus Kirchheim unter Teck und wohnte in Neuffen. Mit 81 Jahren zog sie im November 1971 in das Metzinger Altenheim, wo sie 1974 verstarb.

Auf der Postkarte machte sie ihr im zweiten Obergeschoss gelegenes Zimmer mit einem Kreuz kenntlich. Sie schrieb: „Ihr Lieben! Herzlichen Dank für Eure liebe Karte, die mich sehr gefreut hat. Es geht mir gut und gefällt mir auch gut hier. Mein Zimmer ist unweit von Neuffen, so dass ich ganz daheim bin.
Recht herzliche Grüße Louise.“

Hier können Sie den Originalbericht der SÜDWESTPRESSE downloaden.  (PDF 529 KB)

Ausgabe: Februar 2021

Rückblick und Ausblick

Das Leben im Altenzentrum ist weiterhin durch die Corona-Pandemie geprägt gewesen. Kurz vor Weihnachten wurden Infektionen bei Bewohnerinnen und Mitarbeitenden festgestellt. Zwei Wohnbereiche mussten vorübergehend isoliert werden. Für alle im Haus galten bis mindestens Ende Januar genaue Besuchsregelungen mit festgelegten Zeiten, Verhaltensregeln und der Pflicht zur Dokumentation. Die Tagespflege wurde geschlossen. Zahlreiche Testungen an Mitarbeitenden und Bewohnern wurden durchgeführt. Zuletzt nahmen die Planungen für eine mögliche Impfung an Fahrt auf. Dies gestaltete sich aufwändig, da eine Impfung ja nur auf freiwilliger Grundlage erfolgen darf und nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner einwilligungsfähig sind. Deshalb waren und sind Betreuungspersonen und Angehörige bei der Mitwirkung unverzichtbar.

Trotz allem wurde Weihnachten gefeiert mit vielen kleinen Aktionen und Angeboten, mit einer weihnachtlichen Stunde an Heiligabend und Gottesdiensten als Fernsehübertragung aus dem Festsaal. Von Schülerinnen und Schülern des Dietrich-Bonhoeffer- Gymnasiums bekamen wir eine Vielzahl selbstgebastelter Sterne geschenkt. Sie wurden im Haus verteilt und lösten viel Freude aus.

Am 1. Dezember 2020 verstarb Schwester Lisa Roller. Sie war als junge Frau der Schwesternschaft des Ev. Diakonissenrings im Jahr 1956 beigetreten und arbeitete als Krankenschwester in Münsingen und später in der Altenpflege in unserem Haus. Zuletzt war sie selbst Bewohnerin. Am 10. Januar 2021 verstarb Schwester Luise Vogel. Vielen wurde sie bekannt als langjährige Leiterin unserer Schriftenmission. Mit Schwester Gertrud Kost zusammen organisierte sie für Bewohnerinnen und Bewohner monatliche Geburtstagsfeiern und war Gastgeberin für auswärtige Gruppen und Kreise in unserem Gästehaus. Sie war Mitglied im Verwaltungsrat und übernahm viele weitere Dienste. Seit den Anfangsjahren des Ev. Diakonissenrings hat sie dieses Werk mitgeprägt. Wir trauern um diese beiden Schwestern, und wissen sie geborgen in Gottes Hand.

Im Februar blicken wir ein Stück weit hinaus in die weite Welt. Am 14. Februar wird Pfarrerin Kristi Sääsk aus Estland den Gottesdienst halten. Sie arbeitet beim Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung der Ev. Landeskirche mit und wohnt, solange ihr Einsatz dort währt, in Metzingen.

„Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlass mich nicht, wenn ich schwach werde!“ Diese an Gott gerichtete Bitte aus Psalm 71 begleitet uns oft. Im Psalm ist nach dieser Bitte die Rede von Trost und sogar Fröhlichkeit. Beides gibt es auch hier im Haus.

Pfarrer Jörg Lamparter

Erscheinungstag:  Mittwoch, 2.12.2020

Betonbauten im Stil des Brutalismus

Postkarten erzählen Geschichte:
Heute Ansichten aus den 70er-Jahren, die Zeitgeist verströmen

© Reutlinger General-Anzeiger

Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre waren Betonbauten modern, von denen es auch in Metzingen einige gibt. FOTO: STADTARCHIV

METZINGEN. Die um 1970 entstandene Postkarte atmet den Zeitgeist jener Jahre. Damals waren Betonbauten im Stil des Brutalismus modern und wäre auf der Karte nicht das Alte Rathaus zu sehen, so käme der Betrachter nicht gleich darauf, dass es sich um eine Metzinger Ansichtskarte handelt, denn ähnliche Bauten gibt es in vielen Städten.

Der Begriff Brutalismus leitet sich von Beton brut, rohem Beton ab und meint Bauten in Sichtbeton, die auch auf drei der vier Abbildungen zu sehen sind, erklärt Metzingens Stadtarchivar Rolf Bidlingmaier. Es handelt sich um Bauten, die Ende der 1960er-Jahre errichtet wurden, so in der Karte oben rechts das inzwischen durch einen Neubau ersetzte Altenheim des Evangelischen Diakonissenrings und unten links die Zentrale der Volksbank am Bahnhofsplatz, die jedoch anstelle der Waschbetonfassade heute eine mit Natursteinen aufweist.

Unten rechts sind das Hochhaus am Floriansplatz im Neugreuth und ein Teil des gegenüberliegenden Ladenzentrums zu sehen. Oben links ist das Alte Rathaus zu erkennen. Die durch den Abbruch des Hauses Stübler entstandene Lücke war der Vorplatz zum Kaufhaus Hauber, auf das auf der Gitterwand hingewiesen wird. Auf dem Marktplatz, damals noch nicht Fußgängerzone, parken Autos in den damals gängigen Fabrikaten. Die Flecken im Himmel dieses Bildes rühren von der Druckerschwärze des Poststempels her.

Die Postkarte ging im November 1981 in die DDR an Andreas Krönert in Leipzig. Frank, der Absender, übermittelte ihm recht herzliche Grüße.

Hier können Sie den Original-Pressetext des GEA downloaden (PDF 305 KB)