Ausgabe: Juni 2021

Worte zum Abschied

Mit dem Gottesdienst am 13. Juni in der Friedenskirche und der Bibelstunde am 15. Juni im Altenzentrum geht meine Zeit als Pfarrer des Ev. Diakonissenrings nach 23 Jahren zu Ende. Es war eine spannende und erfüllte Zeit, für die ich sehr dankbar bin.

Gut erinnern kann ich mich an die Anfänge:
1998 endete für mich das Pfarrvikariat in Dettingen und Kappishäusern. Ich wollte danach meine unterbrochene Tätigkeit als angestellter Arzt in der Psychiatrie in Reutlingen (damals Heinrich Landerer Krankenhaus, heute PP.rt) wieder aufnehmen. Die Frage war, wo es eine gleichzeitige Tätigkeit als Pfarrer in Teilzeit geben könnte. Der damalige Martinskirchenpfarrer Timmo Hertneck machte mich auf den Evangelischen Diakonissenring aufmerksam. »Frag doch mal da!« waren seine Worte. Und tatsächlich kam es, nach Kontaktaufnahme mit Heinrich Niebling, zu einer Anstellung. Gleichzeitig trat damals Oliver Maier seinen Dienst an, der Vor-Vorgänger des jetzigen Geschäftsführers Bernhard Feige.

Gottesdienste fanden damals im alten Kirchsaal mit seinen schönen Glasfenstern statt. Auch gab es noch einen Speisesaal. Vieles hat sich seitdem verändert. Alte Gebäude wurden – mit Erhalt des Festsaals – abgebrochen und neue errichtet. In Erinnerung bleiben ungezählte schöne und wertvolle Begegnungen: mit Bewohnerinnen und Bewohnern, mit Mitarbeitenden, mit den Schwestern der Schwesternschaft, mit Angehörigen, mit Ehrenamtlichen, mit Lehrerinnen und Schülern des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums und mit den Dekanen und Pfarrerinnen und Pfarrern im Kirchenbezirk. Als Kollege arbeitete einige Jahre lang Dietmar Scheible mit, und derzeit tut dies Gerrit-Willem Oberman. Etwa 600 Gottesdienste durfte ich im Altenzentrum feiern, und ebenso viele Bibelstunden halten. Dazu kamen die Haustrauerfeiern, die Schwesternabende, die Geburtstagsfeiern im Gästehaus mit Schwester Gertrud Kost und Schwester Luise Vogel, die Weihnachtsfeiern mit Krippenspiel, die Freundestreffen und die Jahresfeste. Dankbar bin ich für die Mitwirkung von Musikern, Organistinnen, Ruheständlern im Pfarrdienst und Chören, die immer wieder Gottesdienste bereicherten.

Ganz natürlich gehört im Altenzentrum der Umgang mit Krankheit, Schwäche, Sterben und Tod dazu. Oft heißt es Abschied zu nehmen – von Bewohnerinnen und Bewohnern, die manchmal nur wenige Tage, und manchmal mehr als zwanzig Jahre im Haus wohnten. Ganz besonders dann erweist sich, wie tragfähig unser christlicher Glaube ist. Es geht darum, das Seil zu umklammern, das Gott uns in Jesus Christus zugeworfen hat. So hat es Sophie Scholl in einem Tagebucheintrag ausgedrückt.

Auf manche Begegnungen auch in Zukunft freue ich mich. Gott segne das Altenzentrum des Ev. Diakonissenrings und die Metzinger Gesamtkirchengemeinde!

Pfarrer Jörg Lamparter

Erscheinungstag: Dienstag, 25. Mai 2021

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Erscheinungstag: Dienstag, 25. Mai 2021

Zeichen der Hoffnung: Erstes Konzert nach 15 Monaten

Das Klarinettenquartett des Landespolizeiorchesters spielte für Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter des Altenzentrums.

© SÜDWESTPRESSE Foto: Thomas Kiehl

Das Klarinettenquartett des Landespolizeiorchesters spielte für Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter des Altenzentrums.

METZINGEN. Das Landespolizeiorchester war zu Gast im Altenzentrum. Bewohner und Mitarbeiter freuen sich über diesen Schritt zurück in die Normalität.

Von Regine Lotterer

Noch immer bestimmt die Corona-Pandemie einen Teil des Alltags im Altenzentrum des Diakonissenrings an der Elsa-Brändström-Straße. Doch das Licht am Ende des Tunnels wird heller, die hoffnungsvollen Zeichen mehren sich. Am Freitag beispielsweise konnten Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter erstmals wieder einem Konzert im Haus lauschen. Dem ersten seit 15 Monaten, wie Bernhard Feige, Geschäftsführer und Heimleiter, berichtet. "Das war eine klasse Aktion." Das Reutlinger Gesundheitsamt hatte einen Auftritt des Landespolizeiorchesters in Metzingen vermittelt, die Zuhörer erlebten einen begeisternden Auftritt eines Klarinettenquartetts.

Das Gastspiel der Musiker markiert für das Altenzentrum einen weiteren, wichtigen Schritt zurück in einen normalen Alltag. Allerdings ist das Virus noch längst nicht besiegt, wie Bernhard Feige betont. Er und sein Team müssen immer wieder neu abwägen zwischen möglichen Lockerungen und der Pflicht, das Risiko einer Infektion so weit es geht zu minimieren. Inzwischen sind 75 % der Bewohner und Mitarbeiter immunisiert, sagt Feige. Unter anderem war das Mobile Impfteam des Landkreises zwei Mal in Metzingen, um die schützenden Spritzen zu setzen. "Das RKI visiert für Lockerungen jedoch 90 Prozent an", betont der Heimleiter.

Schüler halten Kontakt

Immerhin, Besucher dürfen inzwischen wieder ins Haus, wenn auch nur innerhalb eines bestimmten Zeitkorridors, denn jeder Gast muss vom Personal getestet und registriert werden. Eine große Hilfe sei die Aktion der Stadt gewesen, einen Teil des Parks an der Elsa-Brändström-Straße für die Senioren zu sperren, berichtet Feige. Das ermöglichte es den Bewohnern, in einem geschützten Bereich spazieren zu gehen und so endlich wieder an die frische Luft zu kommen.

Hoffnung und Zuversicht trugen im vergangenen Jahr zudem die Bläser des Posaunenchors ins Altenheim. Sie spielten immer abends für die Menschen im Heim, die den Klängen auf den Balkonen lauschen konnten.

Kontakt zu den Senioren hielten ebenfalls die Metzinger Gymnasiasten, wie Bernhard Feige erzählt. Zu Weihnachten und Ostern haben sie gebastelt und Grüße ins Heim geschickt, die unter den Bewohnern verteilt wurden. Außerdem nahmen Schüler der achten Klassen eine halbstündige Radiosendung zum Thema "Frühling" auf: Gedichte, Rätsel, Witze und Lieder garantierten beste Unterhaltung. "Das kam bei den Bewohnern ganz toll an.

Wieder einmal unbeschwert lachen zu können, das ist nach den schweren Monaten der Pandemie ein Geschenk für Bewohner und Mitarbeiter. Zwei Mal sah sich das Heim mit Corona-Ausbrüchen konfrontiert, "obwohl wir streng auf die Einhaltung der Hygienemaßnahmen geachtet haben", wie Bernhard Feige betont. Die Arbeit in dieser Zeit sei sowohl physisch als auch psychisch sehr belastend gewesen, schildert der Heimleiter.

Blick geht nach vorne

Den Alltag in voller Schutzmontur zu bewältigen, kostete die Mitarbeiter körperlich viel Kraft. Dazu musste das Personal Ausfälle kranker oder unter Quarantäne stehender Kollegen kompensieren. Gleichzeitig galt es, den Bewohnern die Notwendigkeit zu vermitteln, auf den Zimmern zu bleiben, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Eine Aufgabe, sagt Bernhard Feige, die gerade bei dementen Bewohnern herausfordernd sei. Zugleich fehlte die entlastende Hilfe der Angehörigen im Heimalltag.

Diese schlimmen Tage sind inzwischen glücklicherweise nur noch Erinnerung, der Blick richtet sich nun nach vorne: "Wir freuen uns sehr auf die nächsten Lockerungsschritte", sagt Bernhard Feige. Bewohner haben etwa wieder die Möglichkeit, ihre Familien zu besuchen. Und kleinere Gruppen sollen sich bald wieder im Festsaal des Altenheims treffen können, zu Gottesdiensten beispielsweise: "Das ist für viele Bewohner wie ein kleiner Ausflug."

Ausgabe:  Mai 2021

Altenzentrum

Kantate - Rogate - Christi Himmelfahrt - Exaudi - Pfingsten -Trinitatis:
Die Sonntage und den Feiertag des Monats Mai im leeren Festsaal des Altenheims zu feiern, ist eine Herausforderung. Kommen die Gottesdienste an, im wahrsten Sinne des Worts? Zweifel kommen auf. Bei anschließenden persönlichen Begegnungen sind aber immer wieder positive Rückmeldungen zu hören. Bibelworte, Psalm und Gebete, Predigt, Musik und Lieder seien über die Bildschirme gehört und wahrgenommen worden. Das bedeutet eine wichtige Ermutigung.

In der Karwoche und an Ostern wurde nach über einjähriger Pause wieder Abendmahl gefeiert. Das geschah nicht im Gottesdienst, sondern in einigen Zimmern und im Garten eines Wohnbereichs. Manche hatten diese Feier sehr vermisst. Umso größere Dankbarkeit war nun zu spüren. Vereinzelt flossen sogar Tränen.

Besuchsregeln und Testungen sind mittlerweile für viele zur Gewohnheit geworden. Anfang Mai werden nochmals ergänzende Impfungen durchgeführt. Viele Bewohnerinnen und Bewohner schätzen nun ganz besonders kleine Spaziergänge im Freien und das Wahrnehmen der aufblühenden Natur.

Unsere Mitarbeiterin Hanna Krestel hat sich in die Aufgaben der Schriftenmission eingearbeitet. An die Freunde der Schriftenmission schrieb sie in einem Brief: „Einiges wird bestehen bleiben wie bisher und anderes wird neu strukturiert.“ Unverändert bleibe das Grundanliegen: Die Weitergabe der guten Botschaft, die in Gottes Wort gegründet ist.

Diese gute Botschaft soll auch im Altenheim immer wieder neu zur Sprache kommen, und an Pfingsten die Bitte:

„Heilger Geist, du Tröster mein,
hoch vom Himmel uns erschein
mit dem Licht der Gnaden dein.“
(EG 128,1)

Pfarrer Jörg Lamparter

Ausgabe:  April 2021

Monatsgedanken

Der April 2021 ist eine intensive Zeit im Kirchenjahr: Karfreitag, Ostern und die Sonntage Quasimodogeniti, Misericordias domini und Jubilate gehören in diesen Monat hinein.

Größer könnte ein Spannungsbogen kaum sein. An all diesen Tagen werden auch im Altenzentrum Gottesdienste gefeiert. Was bedeutet die Botschaft dieser Tage für Menschen im Alter? Da wird an das Sterben Jesu gedacht und an seine Auferstehung in ein neues Leben hinein. Zu bedenken ist dann das „sein wie die neugeborenen Kindlein“, und dann die Barmherzigkeit Gottes, wie sie beim guten Hirten anschaulich wird.
Am letzten Sonntag des Monats vernehmen wir schließlich die Aufforderung zu Freude und zum Jubel. Gleichzeitig ist der April ein Frühlingsmonat.

Sehnsucht ist bei unseren Bewohnern dieses Jahr ganz besonders zu spüren nach Wärme, Sonnenstrahlen, Blumen, Bewegung und Licht. Viele warten auf eine Reduzierung pandemiebedingter Vorschriften und haben dabei bewundernswerte Geduld.
Mehrmals habe ich den Satz gehört: „Wir nehmen es, wie es kommt.“

Hochwillkommen sind da gebastelte Frühlingsboten aus dem Dietrich -Bonhoeffer -Gymnasium: Blumen, Schmetterlinge und Vögel, dazu eine Radiosendung von zwei achten Klassen mit Gedichten, Geschichten, Rätseln und Musik. Sehr froh sind wir alle im Diakonissenring über jede Lockerung von Beschränkungen.

Bereits am 1. März öffnete die Tagespflege wieder ihre Pforten für eine begrenzte Besucherzahl. Spaziergänge sind nicht nur in Personalbegleitung, sondern auch mit Angehörigen und allein nach aktuellem Stand wieder möglich – ohne risikobehaftete Außenkontakte. Dazu hat die Stadt Metzingen seit Mitte März im Park den Bereich am Teich abgegrenzt. Es klingt widersinnig, ist aber so: Die Abgrenzung schränkt nicht ein, sondern erweitert die Bewegungsmöglichkeiten an der frischen Luft.

Im Park oder anderswo im Freien, aber auch in Kirchen und zu Hause lässt sich ein Bibelvers bedenken, der passend klingt für diese intensive Zeit im Kirchenjahr:

Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes,
der Erstgeborene der ganzen Schöpfung (Kol. 1,15).

Es ist der Monatsspruch im April 2021. 

Pfarrer Jörg Lamparter

Ausgabe:  März 2021

Planen, so gut es geht

Altenzentrum. Unwägbarkeiten bei der Pandemie haben so manche Planung im Altenzentrum erschwert. Anstelle des im Oktober 2020 ausgefallenen Jahresfestes wurde am 21.3. 2021 ein Nachmittag der Begegnung geplant, doch auch dieser muss nun bis in den Frühsommer verschoben werden. Die Situation gleicht der eines Autofahrers, der bei Nebel nur „auf Sicht“ fahren kann.

Manches beim Umgang mit der Pandemie ist aber auch schon zur Routine geworden. Die Besuchsregelungen sind inzwischen den meisten Menschen, die ins Haus kommen, vertraut. Ein negativer Test ist Voraussetzung für einen Besuch. Zuletzt wurden bei Mitarbeitenden und Besuchspersonen mehr als 500 Testungen pro Woche durchgeführt. Ohne die Mithilfe vom Deutschen Roten Kreuz und von Angehörigen der Bundeswehr wäre dies große Zahl nicht zu erreichen gewesen.

Am 6. Februar wurde mit Impfungen begonnen. Ein Team des Impfzentrums Tübingen nahm die Impfungen, bei Vorliegen einer Einverständniserklärung und nach Ausschluss von Gegenanzeigen, an Bewohnerinnen und Bewohnern sowie an Mitarbeitenden vor. Die zweite Impfung wurde für den 27. Februar geplant.

Derweil gehen die Bauarbeiten am „Haus am Eck“ weiter. Im Innenbereich sind sie fast abgeschlossen. Im Frühjahr werden noch die Außenanlagen erneuert. Nach Abschluss der Baumaßnahmen soll es eine Gelegenheit für eine Besichtigung geben.

Eine Weiterführung der Schriftenmission nach dem für viele überraschenden Tod von Schwester Luise Vogel am 10. Januar wurde zumindest vorläufig geregelt. Die Versandkartei umfasst mehr als 4000 Adressen. Bestellungen müssen bearbeitet und Anfragen beantwortet werden. Unsere Mitarbeiterin Hanna Krestel hat sich dieser Aufgabe angenommen.

Damit das Wort Gottes hörbar und erlebbar bleibt, dafür stehen weiterhin die Gottesdienste und Bibelstunden, die sonntags und dienstags vom Festsaal aus auf die Wohnbereiche und in manches Zimmer übertragen werden. „Fahren auf Sicht“ und Planungsänderung betrifft auch meine eigene Verabschiedung in den Ruhestand. Diese war für den 28. März geplant, wird aber nun auf den 13. Juni verschoben.

Bei allem Weitergehen gilt: „Der du allein der Ewge heißt / und Anfang, Ziel und Mitte weißt / im Fluge unsrer Zeiten: / Bleib du uns gnädig zugewandt / und führe uns an deiner Hand, / damit wir sicher schreiten.“ (EG 64,6)

Angeredet wird hier der barmherzige Gott. Er hat die Zeit in Händen.

Pfarrer Jörg Lamparter

Erscheinungstag: Dienstag, 25. Mai 2021

Ausgabe: Montag, 15. Februar 2021

Mit Klubraum und Sonnenterrasse

Metzingen                           Postkarten erzählen Geschichte (32):
Fast ganz neu war das Altenheim, als Luise Bär im Jahr 1972 an ihre Verwandten geschrieben hat. Vor einem Jahrzehnt musste es einem Neubau weichen.

von Rolf Bidlingmaier

© Stadtarchiv Metzingen

Das Altenheim ist längst einem Neubau gewichen. Nur die Parkanlage mit Teich existiert noch.

Die 50 Jahre alte Postkarte hat bereits historischen Wert. Das darauf abgebildete Metzinger Altenheim des Evangelischen Diakonissenrings wurde vor einem Jahrzehnt abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Lediglich die im Vordergrund zu sehende Parkanlage mit dem Teich existiert noch in dieser Form.

Das Metzinger Altenheim wurde 1966 bis 1968 nach Plänen des Metzinger Architekten Richard Strohhäcker im Stil des Brutalismus errichtet. Roher Beton stand hoch im Kurs. Es war für seine Zeit ein modernes Haus, wie die Stuttgarter Zeitung zur Einweihung am 1. Juli 1968 berichtete: „Etwa 120 alte Menschen können ihren Lebensabend in einem neuen Altenheim mit Pflegeabteilung in Metzingen verbringen, das der dortige Evangelische Diakonissenring am Sonntag mit einem Gottesdienst eröffnete. Nach den Plänen des Nürtinger Architekten Strohhäcker wurde in zweijähriger Bauzeit ein am Rand der Stadt großzügig angelegtes Gebäude in Sichtbeton errichtet. Die meisten alten Leute bewohnen ein Einzelzimmer. Ein großer Speisesaal, ein Andachtsraum, mehrere Klubräume, gemeinsame Balkone und Sonnenterrassen sowie ein Park mit Sitzgelegenheiten und Bocciabahn laden zu Geselligkeit und Gemeinschaft ein. Staatliche, kommunale und kirchliche Stellen unterstützten finanziell dieses Projekt, das 5,8 Millionen Mark gekostet hat.“

Der Evangelische Diakonissenring war mit seinem Gründer und Geschäftsführer, Pfarrer Richard Neumaier, 1955 aus Dettenhausen nach Metzingen gekommen. Fabrikant Hermann Gaenslen, Teilhaber der Firma Gaenslen & Völter, hatte damals das Wohnhaus Olgastraße 15 erworben, umgebaut und dem Evangelischen Diakonissenring zur Verfügung gestellt. Dieser richtete dort ein kleines Altersheim ein. 1960 erwarb der Diakonissenring die Villa Winkler in der Neuffener Straße, hinter der später das Altenheim an der Elsa-Brändström-Straße gebaut wurde. Daneben betrieb der Diakonissenring für einige Zeit auch ein Säuglingsheim in Metzingen.

Die Postkarte wurde im März 1972 von Luise Bär an Willy Woywod nach Zittau in der Oberlausitz gesandt, was damals in der DDR lag. Luise Bär stammte aus Kirchheim unter Teck und wohnte in Neuffen. Mit 81 Jahren zog sie im November 1971 in das Metzinger Altenheim, wo sie 1974 verstarb.

Auf der Postkarte machte sie ihr im zweiten Obergeschoss gelegenes Zimmer mit einem Kreuz kenntlich. Sie schrieb: „Ihr Lieben! Herzlichen Dank für Eure liebe Karte, die mich sehr gefreut hat. Es geht mir gut und gefällt mir auch gut hier. Mein Zimmer ist unweit von Neuffen, so dass ich ganz daheim bin.
Recht herzliche Grüße Louise.“

Hier können Sie den Originalbericht der SÜDWESTPRESSE downloaden.  (PDF 529 KB)

Ausgabe: Februar 2021

Rückblick und Ausblick

Das Leben im Altenzentrum ist weiterhin durch die Corona-Pandemie geprägt gewesen. Kurz vor Weihnachten wurden Infektionen bei Bewohnerinnen und Mitarbeitenden festgestellt. Zwei Wohnbereiche mussten vorübergehend isoliert werden. Für alle im Haus galten bis mindestens Ende Januar genaue Besuchsregelungen mit festgelegten Zeiten, Verhaltensregeln und der Pflicht zur Dokumentation. Die Tagespflege wurde geschlossen. Zahlreiche Testungen an Mitarbeitenden und Bewohnern wurden durchgeführt. Zuletzt nahmen die Planungen für eine mögliche Impfung an Fahrt auf. Dies gestaltete sich aufwändig, da eine Impfung ja nur auf freiwilliger Grundlage erfolgen darf und nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner einwilligungsfähig sind. Deshalb waren und sind Betreuungspersonen und Angehörige bei der Mitwirkung unverzichtbar.

Trotz allem wurde Weihnachten gefeiert mit vielen kleinen Aktionen und Angeboten, mit einer weihnachtlichen Stunde an Heiligabend und Gottesdiensten als Fernsehübertragung aus dem Festsaal. Von Schülerinnen und Schülern des Dietrich-Bonhoeffer- Gymnasiums bekamen wir eine Vielzahl selbstgebastelter Sterne geschenkt. Sie wurden im Haus verteilt und lösten viel Freude aus.

Am 1. Dezember 2020 verstarb Schwester Lisa Roller. Sie war als junge Frau der Schwesternschaft des Ev. Diakonissenrings im Jahr 1956 beigetreten und arbeitete als Krankenschwester in Münsingen und später in der Altenpflege in unserem Haus. Zuletzt war sie selbst Bewohnerin. Am 10. Januar 2021 verstarb Schwester Luise Vogel. Vielen wurde sie bekannt als langjährige Leiterin unserer Schriftenmission. Mit Schwester Gertrud Kost zusammen organisierte sie für Bewohnerinnen und Bewohner monatliche Geburtstagsfeiern und war Gastgeberin für auswärtige Gruppen und Kreise in unserem Gästehaus. Sie war Mitglied im Verwaltungsrat und übernahm viele weitere Dienste. Seit den Anfangsjahren des Ev. Diakonissenrings hat sie dieses Werk mitgeprägt. Wir trauern um diese beiden Schwestern, und wissen sie geborgen in Gottes Hand.

Im Februar blicken wir ein Stück weit hinaus in die weite Welt. Am 14. Februar wird Pfarrerin Kristi Sääsk aus Estland den Gottesdienst halten. Sie arbeitet beim Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung der Ev. Landeskirche mit und wohnt, solange ihr Einsatz dort währt, in Metzingen.

„Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlass mich nicht, wenn ich schwach werde!“ Diese an Gott gerichtete Bitte aus Psalm 71 begleitet uns oft. Im Psalm ist nach dieser Bitte die Rede von Trost und sogar Fröhlichkeit. Beides gibt es auch hier im Haus.

Pfarrer Jörg Lamparter

Erscheinungstag:  Mittwoch, 2.12.2020

Betonbauten im Stil des Brutalismus

Postkarten erzählen Geschichte:
Heute Ansichten aus den 70er-Jahren, die Zeitgeist verströmen

© Reutlinger General-Anzeiger

Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre waren Betonbauten modern, von denen es auch in Metzingen einige gibt. FOTO: STADTARCHIV

METZINGEN. Die um 1970 entstandene Postkarte atmet den Zeitgeist jener Jahre. Damals waren Betonbauten im Stil des Brutalismus modern und wäre auf der Karte nicht das Alte Rathaus zu sehen, so käme der Betrachter nicht gleich darauf, dass es sich um eine Metzinger Ansichtskarte handelt, denn ähnliche Bauten gibt es in vielen Städten.

Der Begriff Brutalismus leitet sich von Beton brut, rohem Beton ab und meint Bauten in Sichtbeton, die auch auf drei der vier Abbildungen zu sehen sind, erklärt Metzingens Stadtarchivar Rolf Bidlingmaier. Es handelt sich um Bauten, die Ende der 1960er-Jahre errichtet wurden, so in der Karte oben rechts das inzwischen durch einen Neubau ersetzte Altenheim des Evangelischen Diakonissenrings und unten links die Zentrale der Volksbank am Bahnhofsplatz, die jedoch anstelle der Waschbetonfassade heute eine mit Natursteinen aufweist.

Unten rechts sind das Hochhaus am Floriansplatz im Neugreuth und ein Teil des gegenüberliegenden Ladenzentrums zu sehen. Oben links ist das Alte Rathaus zu erkennen. Die durch den Abbruch des Hauses Stübler entstandene Lücke war der Vorplatz zum Kaufhaus Hauber, auf das auf der Gitterwand hingewiesen wird. Auf dem Marktplatz, damals noch nicht Fußgängerzone, parken Autos in den damals gängigen Fabrikaten. Die Flecken im Himmel dieses Bildes rühren von der Druckerschwärze des Poststempels her.

Die Postkarte ging im November 1981 in die DDR an Andreas Krönert in Leipzig. Frank, der Absender, übermittelte ihm recht herzliche Grüße.

Hier können Sie den Original-Pressetext des GEA downloaden (PDF 305 KB)