10.05.18

Musizieren ohne Vorkenntnisse

© www.veeh-harfe.de

Der Gedanke liegt nahe, doch die Veeh-Harfe hat nichts mit einem Märchen zu tun. Die Geschichte der Veeh-Harfe beginnt mitten im wirklichen Leben.
Der Landwirt Hermann Veeh war auf der Suche nach einem Musikinstrument für seinen Sohn Andreas, der mit Down-Syndrom auf die Welt kam. Die Liebe zur Musik war Andreas in die Wiege gelegt, doch das Erlernen eines Musikinstrumentes schien unerreichbar. Die Erinnerung an alte Saitenzupfinstrumente mit Notenschablonen gab den entscheidenden Impuls. Das Grundprinzip dieser Instrumente wurde weitergedacht. An den Fähigkeiten seines Sohnes orientiert, konzipierte Hermann Veeh ein völlig neues Musikinstrument - einfachst in der Handhabung, ansprechend in der Formgebung und bezaubernd im Klang.

Für Andreas und viele andere Menschen öffnete sich eine wunderbare Welt. Der Traum vom gemeinsamen Musizieren von Menschen mit unterschiedlichen Begabungen und Fähigkeiten wurde Wirklichkeit.

Die Veeh-Harfe ist ein Saitenzupfinstrument, das ohne Notenkenntnisse gespielt werden kann. Eigens für das Instrument wurde eine einfache und deutliche Notenschrift entwickelt - reduziert auf das Wesentliche. Notenschablonen, die zwischen Saiten und Resonanzkörper geschoben werden, ermöglichen ein Spielen „vom Blatt″ - die Noten werden begreifbar.

Für Kinder, Erwachsene und Senioren erfüllt sich mit dem Spiel auf der Harfe eine tiefe Sehnsucht nach Musik. Die Veeh-Harfe belebt die Hausmusik, setzt neue Impulse in der Musikpädagogik, ergänzt die Therapie in Kliniken und bereichert den Alltag in Senioreneinrichtungen. Der ruhige und angenehme Klang beim Spielen der Harfe in der Betreuung von alten Menschen und auch in der Arbeit mit an Demenz erkrankten Menschen leistet wertvolle Dienste.

Beim Spiel etwa von Chorälen oder Volksliedern wird das Langzeitgedächtnis und die Gefühlswelt angesprochen und es ist faszinierend zu erleben, wie das gemeinsame Singen zum Harfenklang in der Altentherapie sowohl den Betreuern als auch den Patienten Freude bereitet. In der Betreuung und Begleitung von Menschen mit dem dementiellen Syndrom hat die Musik eine große Bedeutung. Durch biografisches Musizieren gelingt es, Verbindungen zu sich selbst und der sozialen Umwelt zu schaffen und somit ein Stück Heimat, Sicherheit und Lebensqualität zu erhalten.

Musik stellt sich in diesem Falle als Tor zur Welt der Gefühle dar. Sind auch die kognitiven Fähigkeiten fast erloschen, so sind doch bis zum Ende Empfindungen vorhanden und die emotionale Kontaktfähigkeit bleibt bis zum Tode erhalten (Reinhardt-Verlag, Gerontologische Reihe).

Der Förderverein des Evang. Diakonissenring hat eines dieser Instrumente finanziert. Es erfreut sich zunehmender Beliebtheit unter den Bewohnern.