Pfarrer Dr. Jörg Lamparter

Paramente (von lat. parare mensam = den Tisch bereiten) sind gewobene Tücher an Kanzel und Altar, die in den liturgischen Farben weiß, grün, rot und schwarz gehalten sind. Oft sind auf ihnen biblische Motive dargestellt.

Bisher haben solche Paramente in unserem Festsaal und auch früher im Kirchensaal gefehlt. Vor einiger Zeit bot sich die Gelegenheit, sechs in drei verschiedenen Farben gehaltene Paramente von der Evang. Kirchengemeinde Reutlingen-Betzingen zu erwerben, die viele Jahre in der dortigen Mauritiuskirche Dienst getan hatten. Es sind jeweils ein größeres Altarparament und ein kleineres Kanzelparament.

Die Bildmotive sind gut zu erkennen und zu deuten. So sind die Paramente kleine Predigten für die Augen.

 

Besonders schön ist das weiße Parament, das ein Kreuz in Verbindung mit einer Sonne zeigt.

 

Viele Weihnachtslieder besingen Jesus Christus als eine Sonne, die in unser Leben scheint. Hell wie die Sonne leuchtet das Christuslicht.

 

Das andere weiße Parament stellt eine Krone dar und lässt an den Liedvers denken, der Sonne und Krone nebeneinander stellt: Meins Herzens Kron, mein Freudensonn sollst du, Herr Jesu bleiben

(EG 364,4).

 

Weiße Paramente gehören zu Festzeiten. Wir freuen uns etwa auf Ostern, wenn wieder eine Festzeit gekommen ist.

 

Nachdenklich stimmen die violetten Paramente. Sie sind für die Advents- und Passionszeit gedacht.

 

"Er ist unser Friede" - dieser Satz aus dem Epheserbrief ziert das eine violette Parament. Wie durch ein offenes Fenster leuchtet daneben ein Stern herein, ein Zeichen der Hoffnung und des Lichts.

 

 

 

Die auf dem Kanzelparament dargestellte Waage erinnert an das Richteramt Christi : "Wir werden alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi", schrieb Paulus an die Korinther (2. Kor. 5,10).

 

Der helle Kreis steht dafür, dass dieses Abwägen und Richten vor dem Hintergrund der Gnade und Barmherzigkeit Gottes geschieht.

 

 

Die grünen Paramente stehen für eine Zeit des Wachsens und Reifens. Die abgebildeten Ähren erinnern daran.

 

In vielen Gleichnissen hat Jesus das Reich Gottes mit Wachstum und Ernte anschaulich gemacht. Es sind hauptsächlich die Sonntage nach Trinitatis, denen die Farbe grün zugeordnet ist.

 

 

 

Das Kreuz ist das Symbol der Christen. Es erinnert an den Tod Jesu Christi am Kreuz, aber es ist auch Zeichen seiner Auferstehung.

 

Ein Kreuz auf der Weltkugel bedeutet: die Botschaft vom Kreuz will die ganze Welt erreichen. Wie ein Schutzzeichen der Liebe Gottes steht das Kreuz auf der Welt.

   

 

Die Farbe der roten Paramente steht für das Feuer des Heiligen Geistes, aber auch für das Blut der Märtyrer, die ihr Leben für ihren Glauben gelassen haben.

 

Das kleinere Kanzelparament zeigt eine Taube, Symbol des Heiligen Geistes. Die Flugbewegung geht von oben nach unten. Die Evangelien berichten, dass bei der Taufe Jesu der Himmel offen stand und der Heilige Geist als Taube auf Jesus herabkam. Dazu war eine Stimme vom Himmel zu vernehmen: „Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe.“

 

Das größere Altarparament zeigt ein Segelschiff. Das Schiff gilt als Symbol für die Kirche, die unterwegs ist auf ihrer Reise durch die Jahrhunderte. Ein neueres Lied nimmt diesen Gedanken auf: „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit.“  Zum Heiligen Geist hat dieses Kirchen-Schiff einen engen Bezug.  Ohne den Heiligen Geist gäbe es keine Kirche; insofern gilt Pfingsten auch als „Geburtstag der Kirche“.

Der Heilige Geist kann auch als der Wind gelten, der das Schiff vorwärts bringt. Ohne einen solchen Wind würde das Schiff auf der Stelle verharren. Die früheren Seeleute fürchteten sogenannte Flauten auf See fast mehr als einen Sturm. Das Segel auf dem Parament ist beschriftet. Zu sehen sind die griechischen Buchstaben X (Chi) und P (Rho). Ineinander geschireben ergeben sie das Christusmonogramm, sie stehen für „Christus“. Jesus Christus ist der Herr der Kirche. Er muss das Zentrum sein, wenn die Kirche ihren Kurs halten will. Und das Ziel? Es ist nichts weniger als Gottes Reich. Gott um das Kommen dieses Reiches immer neu zu bitten, lehrte Jesus. „Dein Reich komme“ lautet die zweite Bitte des Vaterunseres.

 

Leider sind die roten Paramente im Kirchenjahr eher selten zu sehen: an Pfingsten, bei Konfirmationen, wenn Kirchweih gefeiert wird, und am Reformationsfest. Ein Grund mehr, an diesen Tagen den Gottesdienst zu besuchen.

 

Die Feste des evang. Kirchenjahrs mit den zugeordneten liturgischen Farben. Quelle: Wikipedia