Ein Stück Familie

Erscheinungstag: Samstag, 31. Oktober 2015

 

von Carola Eissler

Eine fröhliche Runde: Bei der Tagespflege des Evangelischen Diakonissenrings wird auch bei kleinen Bewegungsübungen viel gelacht. Fotos: Thomas Kiehl

Eine fröhliche Runde: Bei der Tagespflege des Evangelischen Diakonissenrings wird auch bei kleinen Bewegungsübungen viel gelacht. Fotos: Thomas Kiehl

METZINGEN.
Gemeinsam essen und spazieren gehen, statt einsam Zuhause zu sitzen. Die Tagespflege beim Evangelischen Diakonissenring ist für Senioren eine Chance, trotz Pflegebedürftigkeit daheim zu wohnen.

 

Der Montagmorgen markiert gleich einen Höhepunkt in der Woche: Gemeinsam zu singen zählt für Senioren zu den schönsten Aktivitäten. Für an Demenz erkrankte Menschen trifft dies um ein Vielfaches mehr zu. Denn die Strophen bekannter Lieder sind fest in ihrer Erinnerung verankert. Ein Erfolgserlebnis, wenn man wortgetreu die Texte rezitieren kann. Schon seit 8.30 Uhr sind die Senioren der Tagespflege Weinbergblick im Evangelischen Diakonissenring hier zusammen, frühstücken, erzählen vom vergangenen Wochenende und freuen sich auf das, was der Tag noch bringt. "Die Menschen motivieren sich gegenseitig", hat Susann Ockenden, die Leiterin der Tagespflege, festgestellt. "Und wir sind eine Familie."

Seit Juli 2010 ist die Tagespflege Weinbergblick am jetzigen Standort, angegliedert an das Altenzentrum des Evangelischen Diakonissenrings, aber mit eigenem Eingang und großen, hellen Räumlichkeiten. 14 Plätze stehen zur Verfügung, acht Plätze sind derzeit fest belegt. Die Besucherzahl ist indes größer, denn manche Senioren kommen nicht die ganze Woche, sondern nur an manchen Tagen. Zwischen 52 und 94 Jahren alt sind die Tagesgäste derzeit, ebenso variieren die Pflegestufen. Der Grad der Betreuung richtet sich ganz individuell nach den Bedürfnissen der Senioren. Allerdings stellen die Verantwortlichen einen zunehmenden Pflegebedarf bei den Menschen fest, die in die Tagespflege kommen. Das Angebot richtet sich an Menschen mit chronischen, psychischen und körperlichen Einschränkungen gleichermaßen.

So lange wie möglich sollen Senioren Zuhause in den eigenen vier Wänden wohnen können und selbstständig sein. Doch wenn der Alltag zu beschwerlich wird, wenn möglicherweise eine Demenz hinzukommt, dann braucht es Hilfe und vor allem Menschen, die sich um die Pflegebedürftigen kümmern. Für viele Angehörigen ist dies nur bedingt zu leisten, vor allem dann, wenn sie selbst noch berufstätig sind. Die Tagespflege will hier in die Bresche springen, will ein Bindeglied schaffen zwischen dem Alleinsein Zuhause und dem Umzug in ein Pflegeheim.

Der Evangelische Diakonissenring hat sich einst bewusst für die Einrichtung einer separaten Tagespflege entschieden, auch wenn dies meist ein Zuschussbetrieb ist, wie Bernhard Feige, Heimleiter und geschäftsführender Vorstand des EDR, sagt. Gerade aus diesen finanziellen Erwägungen heraus bieten manche Pflegeheime die Tagespflege lediglich als Teil des Pflegeheimalltags an, die betreffenden Senioren werden dann eben mit in den normalen Betrieb eingegliedert. Ein Modell, das für Feige und die Verantwortlichen des EDR nicht in Frage kam. Denn es sei wichtig, dass die Tagespflege-Gäste ihren eigenen Bereich, ihre eigene Gruppe und ihre eigenen Aktivitäten haben. Eine Einschätzung, die auch die gelernte Altenpflegerin Susann Ockenden aus ihrer langjährigen Erfahrung heraus teilt. Zusammen mit der Ergotherapeutin Mirjam Bloch umsorgt sie die alten Menschen, gestaltet den Tagesablauf, bietet Gedächtnistraining und Gymnastik an, Spaziergänge, Basteln und Malen. Beim gemeinsamen Zeitungslesen oder beim Backen entwickeln sich Gesprächsthemen und die Senioren können sich untereinander austauschen. Jeden Morgen holt ein Fahrzeug die Senioren der Tagespflege zuhause ab und bringt sie abends um 16.30 Uhr wieder zurück. Gemeinsame Mahlzeiten spielen natürlich eine wichtige Rolle bei den Senioren, jeden Tag können sie, genauso wie alle Bewohner des Altenzentrums, sogar aus zwei unterschiedlichen Menüs auswählen.

"Ein breites Profil ist eine Stärkung für uns als Anbieter", hebt Feige die Bedeutung der Tagespflege für die gesamte Einrichtung hervor. Ein differenziertes Angebot neben Pflegeheim und Kurzzeitpflege sei überaus wichtig. Zumal Senioren, die bereits die Tagespflege in Anspruch genommen haben und das Haus kennen, auch später auf Angebote des Pflegeheims zurückgreifen werden. "Sollte dann tatsächlich einmal der Umzug ins Pflegeheim anstehen, sind die Betroffenen bereits mit dem Haus vertraut."

Hier können Sie den Original-Pressebericht der SÜDWESTPRESSE downloaden.

_______________________________________________________________________

Jahresfest des Diakonissenrings

Erscheinungstag: Freitag, 9. Oktober 2015

SWP

METZINGEN.
Das Jahresfest des Evangelischen Diakonissenrings Metzingen findet unter dem Thema "Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob" am Sonntag, 11. Oktober, statt. Um 14 Uhr ist der Auftakt mit dem Festgottesdienst in der Friedenskirche Metzingen.

Das Jahresfest des Evangelischen Diakonissenrings Metzingen findet unter dem Thema "Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob" am Sonntag, 11. Oktober, statt. Um 14 Uhr ist der Auftakt mit dem Festgottesdienst in der Friedenskirche Metzingen. Die Predigt gestaltet Pfarrerin Maike Sachs zu der Jahreslosung. Ein Chor aus Metzingen umrahmt den Gottesdienst musikalisch.

Ab 15.30 Uhr geht es im Festsaal des Altenzentrums weiter mit Informationen aus dem Werk, gemeinsames Singen und der Nachmittagskaffee mit Kuchen. Dazu gibt es Einblicke in die Angebote der Einrichtung. Zwischen den Programmpunkten ist Raum für Begegnungen, Gespräche und Musik.

Der Evangelische Diakonissenring lädt alle Angehörigen, Freunde und interessierte Personen aus Metzingen, Umgebung und den weiter entfernten Orten und Städten ein.

 

Hier können Sie den Original-Pressebericht der SÜDWESTPRESSE downloaden.

_____________________________________________________________________

Eine tolle Sache

Erscheinungstag: Freitag, 3. Juli 2015

 

von CAROLA EISSLER

Karin Goth vom Besuchsdienst kommt regelmäßig ins Altenzentrum des Diakonissenrings, um eine alte Dame zu unterhalten. - Foto: Carola Eissler

Der Besuchsdienst schenkt alten Menschen Zeit und Zuwendung

Wenn Karin Goth die Tür zum beschützenden Bereich des Altenzentrums öffnet, ist die Freude groß. Seit 13 Jahren gehört Goth zum Besuchsdienst des Seelsorge- und Beratungsdienstes im Haus Matizzo.

Metzingen. Was sich im Park des Altenzentrums des Evangelischen Diakonissenrings doch alles entdecken lässt: Blumen und Sträucher, Vögel und so manches Getier am Teich. Was der hetzende Zeitgenosse gar nicht mehr wahrnimmt, sind wichtige Details für Menschen, denen das Erinnerungsvermögen verloren gegangen ist und die sich an jeder Kleinigkeit freuen. Karin Goth hat gelernt, wieder auf diese Details zu achten und deren Schönheit zu entdecken. Seit drei Jahren betreut die 50-Jährige eine Dame aus dem beschützenden Bereich des EDR-Altenzentrums, die ihrer Demenz wegen auf Begleitung bei Spaziergängen angewiesen ist und sich über Besuch und Unterhaltung überaus freut. "All diese Dinge sind Anknüpfungspunkte für ein Gespräch", sagt Karin Goth.

13 Ehrenamtliche gehören derzeit zum Besuchsdienst, der dem Seelsorge- und Beratungsdienst im Haus Matizzo angeschlossen ist. Die Besuche im Stadtgebiet vermittelt ebenfalls das Haus Matizzo, wie Geschäftsführerin Manuela Seynstahl erklärt. "Der Besuchsdienst richtet sich an Personen zu Hause, im betreuten Wohnen oder in Pflegeheimen." Die Ehrenamtlichen können selbst entscheiden, was der Besuchte braucht und womit die Besuche gefüllt werden: reden, vorlesen, singen, Spiele machen, spazieren gehen oder auch Fotos aus alten Zeiten anschauen sind ganz unterschiedliche Möglichkeiten, um Menschen eine Freude zu bereiten.

Karin Goth ist damals vor 13 Jahren nach Metzingen gezogen und hat, wie sie betont, Anschluss gesucht. "Ich wollte Leute kennenlernen." Dass sie sich für den Besuchsdienst begeistern ließ, hat auch ganz persönliche Gründe: "Meine Eltern wohnten damals weit weg und ich war darauf angewiesen, dass andere Leute meine Eltern besuchen. Deshalb wollte ich das ein Stück zurückgeben." Regelmäßig kommt sie seit einigen Jahren ins Altenzentrum. "Es ist eine tolle Sache." Und schließlich wisse niemand, ob er selbst einmal pflegebedürftig werde und auf Besuch angewiesen sei. Ein Lebens-Aspekt, mit dem man sich auseinandersetzen sollte, findet Karin Goth.

Vier- bis fünfmal im Jahr treffen sich die Ehrenamtlichen vom Besuchsdienst, tauschen Erfahrungen aus, sprechen über Gelungenes und auch über Schwierigkeiten. Im Frühjahr und im Advent gibt es zudem ein gemeinsames Kaffeetrinken mit den betreuten Personen. Für Letztere ist dies jeweils ein Höhepunkt im Jahr, wie Karin Goth erzählt. "Beim letzten Mal sind meine betreute Seniorin und ihre Freundin, die auch beim Kaffeetrinken mit dabei war, singend und Hand in Hand ins Altenzentrum zurück. So sehr hat ihnen der Nachmittag gefallen." Ein schönes Erlebnis, das für die Investition von Zeit und Kraft entschädigt. Dabei können Manuela Seynstahl und das Team des Besuchsdienstes noch dringend Verstärkung brauchen. Engagierte und zuverlässige Mitarbeitende, vor allem auch Jüngere, seien willkommen, sagt Seynstahl. Kinder seien kein Problem, "denn Ältere freuen sich, wenn Kinder zu den Besuchen mitgebracht werden".

Info: Infos zum Besuchsdienst gibt's im Café Matizzo jeden Mittwochvormittag, im Haus Matizzo unter Telefon: (0 71 23) 910 20 24 oder beim Tag der offenen Tür am 18. Juli im Haus Matizzo.

Hier können Sie den SWP-Original-Zeitungsbericht downloaden.

 

 

_________________________________________________________________________

 

 

 

ANGEDACHT

Erscheinungstag: Samstag, 3. Januar 2015


  von Pfarrer Dr. Jörg Lamparter

Das neue Jahr 2015

Das Neue Jahr hat gerade begonnen. Die Silvesterraketen sind am Nachthimmel verglüht. Der erste Sonntag des neuen Jahres, der erste von 52 Sonntagen steht vor der Tür.

So langsam gewöhnen wir uns an die neue Jahreszahl 2015, und schreiben sie auch richtig, wenn es über einen Brief oder unter ein Dokument ein Datum zu setzen gilt. Die Jahreszahl lädt dazu ein, die Gedanken ein wenig schweifen zu lassen und Beziehungen herzustellen von ihr zu mir, dem einzelnen Menschen, der dieses Jahr nun vor sich hat.

Dr. Jörg Lamparter ist Pfarrer beim Evangelischen Diakonissenring Metzingen e.V.

Zwei, null, eins und fünf - aus diesen vier Ziffern setzt sich 2015 zusammen.

Die Zwei lässt mich daran denken, dass ich ein Mensch mit zwei Beinen bin, sofern nicht Krankheit oder Unfall etwas daran geändert haben. Zwei funktionstüchtige Beine ermöglichen es mir zu gehen, meinen Aufenthaltsort zu ändern, Ziele auszuwählen und Wege einzuschlagen. An welchen Orten werde ich sein in diesem Jahr und wo nicht?
"Befiehl dem Herrn deine Wege" heißt es im 37. Psalm, den Paul Gerhardt für sein Lied "Befiehl du deine Wege" als Vorlage ausgewählt hat. Ob unsere eigenen Entschlüsse, wohin wir unsere Schritte lenken, immer klug sind, steht oft dahin. Wir tun gut daran, unsere Wege auch Gott anheim zu stellen, und die Bitte auszusprechen, dass er uns leiten möge zu den Orten, wo zu sein gut für uns ist.

Die Null lässt mich daran denken, was ich nicht habe, Flügel zum Beispiel. Auch wenn ein Mensch manchmal dem anderen zum Engel werden kann, bin ich als Mensch doch der Erde verbunden, ein irdisches Wesen. Ich kann nicht abheben in höhere Sphären, von geistigen und geistlichen Höhenflügen einmal abgesehen, und abgesehen vom Reich der Phantasie. Auch wenn es Flugzeuge und sogar Raumkapseln gibt, - als Mensch habe ich einen begrenzten Horizont. So vieles weiß ich nicht und kann ich nicht. Die Null lehrt Bescheidenheit.

Die Eins lässt mich daran denken, dass ich ein einzelner Mensch und zugleich ein ganzer Mensch bin. Seele und Leib sind eine Einheit, sie lassen sich nicht trennen, solange wir auf dieser Welt sind. Auch alles, was zum psychischen Erleben gehört, ist verknüpft mit dem einen Leib, den wir haben. Erkenntnisse aus der Hirnforschung stützen eine solche Sicht.

Die Fünf lässt mich daran denken, dass an jeder Hand fünf Finger sind. Was kann ich damit tun? Nicht zuletzt schreibe ich mit ihnen dieses "Angedacht". Feinste Bewegungen kann ich damit ausführen. Ich kann greifen, halten und gestalten, und kann mit den Händen arbeiten. Wie viel geschieht nach wie vor in Handarbeit! Im Altenheim sind es Hände, die anderen unter die Arme greifen und die andere, schwach gewordene Menschen pflegen - wie viel wird da mit den Händen getan! Freilich können Hände auch Leid zufügen und Schaden anrichten, und das geschieht leider im Übermaß in der Welt.

Möge das Neue Jahr ein gutes Jahr werden, ein Jahr, in dem die Welt sich neu auf Frieden besinnt. Möge es ein Jahr werden, in dem Menschen aufeinander zugehen, sich willkommen heißen und sich die Hände zur Versönung reichen. Möge es geschehen, dass solche Wirkungen des Segens Gottes zu finden sind, im Jahr 2015.
____________________________________________________________________