Generationsübergreifende Feier

Erscheinungstag: 8. Dezember 2012

                               Autor: Südwestpresse

Der Weihnachtsmann im Altenzentrum des Diakonissenrings Metzingen. Foto: Privat

Der Weihnachtsmann im Altenzentrum des Diakonissenrings Metzingen. Foto: Privat

Metzingen. Seit vielen Jahren gibt es im Altenzentrum des Diakonissenrings den Generationentreff. Dort treffen sich Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums zusammen mit Lehrern regelmäßig alle zwei Wochen mit Bewohnern des Pflegeheims.

Beim gemeinsamen Singen, Basteln, Spielen und Erzählen findet ein fruchtbarer Austausch zwischen den Generationen statt. Während die ältere Generation den Schwung und das Interesse der Schüler genießt und erfährt, wie das Leben "draußen" sich zunehmend verändert, lauschen die Schüler gerne den Erzählungen aus der Vergangenheit der Bewohner und staunen darüber, unter welch einfachen und oft schwierigen Bedingungen deren Leben gelingen musste.

 

Alljährlich gestalten die Schüler im Dezember die Weihnachtsfeier der Heimbewohner mit einem Krippenspiel und bereiten ihnen damit eine unvergessliche Feier. Da in diesem Jahr der Generationentreff genau auf den Nikolaustag fiel, entstand die Idee, das Treffen mit dem Besuch eines Nikolaus zu beschließen und damit wieder ein Ereignis zu schaffen, das in den Erinnerungen der Bewohner und auch der Schüler einen besonderen Stellenwert erhält.

 

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Die Angst vor der Demenz

Erscheinungstag: Dienstag, 13. November 2012

                            von NORBERT LEISTER

Diakoniebeauftragte treffen sich zum Begegnungstag beim Evangelischen Diakonissenring

Metzingen: Was ist Demenz? Und wie können engagierte Menschen mit Erkrankten umgehen? Solchen und ähnlichen Fragen gingen am Samstag rund 30 Personen beim Diakonissenring im "Café am Weinberg" nach.

Beim vierten Begegnungstag der Diakoniebeauftragten ging es um das Thema "Demenz". Foto: Norbert Leister

"Alle Menschen haben Angst davor, dement zu werden." Diese Feststellung präsentierte Ursula Keinath am Samstagnachmittag vor den Diakoniebeauftragten der Kirchenbezirke Reutlingen, Bad Urach und Münsingen. "Am Schlimmsten an der Erkrankung ist der Kontrollverlust", betonte die Pflegedienstleiterin der Diakoniestation Oberes Ermstal-Alb. "Die Betroffenen registrieren ihre Defizite, sie schämen sich und versuchen die Vergesslichkeit zu überspielen", erläuterte Christel Meixner von der Rot-Kreuz-Alzheimer-Beratungsstelle in Reutlingen am "Vierten Begegnungstag für Diakoniebeauftragte". Demenz war also das selbstgewählte Thema, mit dem sich die Frauen und Männer aus den drei Kirchenbezirken beschäftigten. Ein beileibe kein einfaches Thema. Aber dennoch eines, über das die Diakoniebauftragten mehr wissen wollten. Die rund 30 Personen, die am Samstag ins Haus des Metzinger Diakonissenrings gekommen waren, "übernehmen eine Brückenfunktion zwischen Diakonie und den Kirchengemeinden", wie Günter Klinger als Geschäftsführer des Diakonieverbands Reutlingen am Rande der Veranstaltung betonte.

 

"Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit einem Demenzpatienten zu tun hatte, brachte der mich an den Rand der Verzweiflung", berichtete Ursula Keinath aus vergangenen Tagen, als das Krankheitsbild noch gar nicht bekannt war. Christel Meixner hatte in ihrem Vortrag die möglichen Verhaltensänderungen auf Grund der Demenz erläutert. Zahlreiche Fragen kamen da von den ehrenamtlich Engagierten, auf die die DRK-Fachfrau kompetente Antworten lieferte. "Wie verhalten wir uns denn gegenüber den Erkrankten", sagte Keinath im Anschluss. Unsicherheit, Mitleid, Belächeln seien vielfach die Reaktionen. Oder auch Empörung, wenn etwa eine Person beim Essen das Gebiss herausnimmt und auf den Tisch legt. Aber: Es gibt Möglichkeiten der Entlastung für betreuende Angehörige. In Böhringen, Würtingen, Bad Urach und Dettingen werden wöchentlich Betreuungsgruppen angeboten. "Café Herbst-Zeitlos" nennen die sich und bieten den Erkrankten die Möglichkeit des Kontakts "mit Menschen, die keine Vorbehalte haben", so Keinath. Die Angehörigen können ebenso wie die Demenzpatienten ein paar Stunden aus dem gewohnten Trott heraus kommen. Die Ehrenamtlichen in den Gruppen wurden von Fachkräften geschult und bieten den Gästen "einen Nachmittag ohne Defizite". Ein anderes Angebot der Diakoniestation ist ZiB: Die "Zeitintensive Betreuung" biete ebenfalls Entlastung für die Angehörigen, wenn geschulte Ehrenamtliche mindestens zwei Stunden zu den Menschen nach Hause kommen. Dieses Angebot sei "eine Alternative zu den osteuropäischen Haushaltshilfen", so die Pflegedienstleiterin. Natürlich müssen die ebenfalls ehrenamtlichen ZiB-Engagierten zu den jeweiligen zu betreuenden Personen passen - "zwei Stunden mit einem Alzheimerpatienten einfach nur zu laufen, das kann auch nicht jeder". Die Leistungen werden zum Teil von der Pflegekasse bezahlt, sie aber komplett mit ausgebildeten Fachkräften anzubieten, ist laut Keinath zu teuer.

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Altenzentrum: Bestnote als Ansporn

Erscheinungstag: Mittwoch, 30. Oktober 2012

                              von CAROA EISSLER

Metzingen. Kaum eine Branche wird so streng kontrolliert wie Pflegeeinrichtungen. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung bewertet das Altenzentrum des Evangelischen Diakonissenrings jetzt mit Bestnote.

Das Altenzentrum, hier das Haus am Weinberg, hat beim MDK sehr gut abgeschnitten. Foto: Carola Eissler

Das Altenzentrum, hier das Haus am Weinberg, hat beim MDK sehr gut abgeschnitten. Foto: Carola Eissler

Sie kommen unangemeldet und nehmen die Einrichtungen bis ins Detail unter die Lupe: Die Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung prüfen regelmäßig die bundesweit 1526 Pflegeeinrichtungen und befragen auch Bewohner. Sie bewerten die einzelnen Bereiche einer Einrichtung, kontrollieren Dokumentationen, erspüren die menschlichen Faktoren und die Atmosphäre eines Hauses, richten ihre strengen Blicke auf die fachliche Kompetenz und darauf, wie die Bewohner gepflegt und versorgt werden. Daraus ergibt sich schließlich eine Gesamtnote, die seit 2009 auch veröffentlicht wird.

 

Der neueste und jetzt aktuell veröffentlichte Prüfbericht des MDK bewertet das Altenzentrum des Evangelischen Diakonissenrings mit Bestnote 1,0. „Wir freuen uns besonders, dass wir unser letztjähriges, bereits sehr gutes Ergebnis nochmals verbessern konnten“, sagt Geschäftsführer und Heimleiter Bernhard Feige. Das Altenzentrum verfügt über 110 Vollzeitstellen. 165 Mitarbeiter und vier Auszubildende pro Jahr sind dort beschäftigt. Außerdem engagieren sich zahlreiche Ehrenamtliche im Altenzentrum.

 

Ende August hatten die Prüfer sowohl Pflege und medizinische Versorgung als auch Hygiene, Hauswirtschaft, Verpflegung, Wohnqualität und die soziale Betreuung der insgesamt 170 Bewohner des Altenzentrums kontrolliert. Zudem spielten die Alltagsgestaltung und der Umgang mit demenzkranken Bewohnern eine Rolle für die Gesamtnote. 15 Bewohner verschiedener Wohnbereiche wurden zusätzlich zu ihrem Alltag und ihrer Zufriedenheit mit dem Altenzentrum befragt.

„Das war eine Echtzeitprüfung“, betonen Pflegedienstleiterin Doris Alford und Qualitätsmanagementbeauftragte Johanna Deckert. Denn kontrolliert werde bis ins Detail, auch die Dokumentationen innerhalb der einzelnen Stationen und Bereiche werde dabei besonders kritisch geprüft.

 

Die Umsetzung der so genannten Expertenstandards, dazu zählen zum Beispiel Ernährungsmanagement und Sturzprophylaxe, werden beim Diakonissenring sukzessive umgesetzt. „Diese verbesserte Pflege kommt direkt beim Bewohner an“, sagt Alford. Dabei sei es in ihrer Einrichtung besonders wichtig, auf die individuellen Bedürfnisse der Bewohner einzugehen.

 

Wie schwierig dies oft ist, wissen Pflegefachkräfte und Einrichtungsleiter aus eigener Erfahrung. Denn den finanziellen Rahmen geben die Pflegekassen vor. Das Altenzentrum in Metzingen hat einen höheren Personalschlüssel als in der so genannten Leistungs- und Qualitätsvereinbarung vorgesehen, zweieinhalb Stellen finanziert der Diakonissenring aus eigener Tasche.

 

Auf dem jetzt erzielten Erfolg wollen sich die Verantwortlichen beim Altenzentrum aber nicht ausruhen, wie Feige betont. Vielmehr sei man bestrebt, den hohen Standard zu halten und auszubauen, sowie die Qualität der Pflege und Betreuung möglichst optimal umzusetzen.

 

Info: Unter www.pflegelotse.de kann man Pflegeeinrichtungen in den jeweiligen Regionen erfragen und ihre Bewertung einsehen.

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Ein Beruf mit Perspektive

Erscheinungstag: Montag, 19. September 2012

                             von CAROLA EISSLER

Metzingen. Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick: Nach einem freiwilligen sozialen Jahr beziehungsweise einem Praktikum in der Altenpflege stand für Jennifer Böhringer und Ludmilla Karazej der Berufswunsch fest.

Jennifer Böhringer (links) und Ludmilla Karazej sind zwei der acht Auszubildenden im Altenzentrum des Evangelischen Diakonissenrings. Foto: Carola Eissler

Keine Frage: Kaum ein Beruf hat derzeit so gute Perspektiven wie die Altenpflege. Bedingt durch den Fachkräftemangel werden Altenpflegerinnen und Altenpfleger geradezu umworben und können unter vielen Angeboten auswählen. Laut Statistischem Bundesamt ist die Zahl der Auszubildenden in der Altenpflege im vergangenen Jahr sogar um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Angesichts der demografischen Entwicklung werden in den nächsten Jahren noch weit mehr Pfleger gebraucht. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung schätzt, dass bis 2020 bundesweit weitere 350 000 zusätzliche Altenpfleger gebraucht werden.

 

Doch diese gute Perspektive allein war es nicht, die die 19-jährige Jennifer Böhringer und die 35-jährige Ludmilla Karazej dazu bewogen hat, diesen Beruf zu ergreifen. Die Arbeit mit alten Menschen mache ihnen Spaß, sagen sie. Auch wenn die Altenpflege vieles abfordere. "Alte Menschen geben einem viel zurück. Und wenn sie Vertrauen fassen, erzählen sie aus ihrem Leben und sind dankbar für jede Zuwendung." Gerade weil der Pflegeberuf weit mehr umfasst, als die klassische Pflege allein, braucht es Empathie und Verständnis für die Situation jedes einzelnen Senioren. Es geht um eine ganzheitliche Betreuung und auch um eine Motivierung der Senioren, ihr Leben so gut wie möglich noch selbst zu gestalten. Gleichzeitig biete diese Ausbildung eine hervorragende Basis für die Zukunft, sind die beiden Auszubildenden überzeugt.

 

Dass der Beruf zu ihr passt, hat Jennifer Böhringer bei einem freiwilligen sozialen Jahr festgestellt. Und Ludmilla Karazej hat nach einer Tätigkeit zunächst im hauswirtschaftlichen Bereich einen Neuanfang in der Altenpflege gewagt. Seit Oktober 2011 beziehungsweise April 2012 sind die beiden Metzingerinnen Auszubildende beim Altenzentrum des Evangelischen Diakonissenrings.

 

Die eine arbeitet derzeit im Haus am Eck, die andere im Haus am Weinberg. "Aber wir lernen natürlich alle Wohnbereiche im Haus kennen." Und nicht nur das. Zu der umfassenden dreijährigen Ausbildung im Diakonissenring gehören auch Praxiswochen außerhalb des eigenen Hauses, zum Beispiel bei der Diakonie-Sozialstation Metzingen in der ambulanten Pflege und im Krankenhaus.

 

Acht Auszubildende erlernen derzeit den Beruf des Altenpflegers. Die angebotenen Ausbildungsplätze konnten gut besetzt werden, es habe genügend Bewerber gegeben, freut sich Doris Alford, Pflegedienstleiterin beim Evangelischen Diakonissenring. "Die Zukunftsperspektiven für den Beruf sind derzeit ja auch sehr gut. Zudem gibt es für den Einzelnen vielfältige Möglichkeiten, sich nach der Ausbildung weiter fortzubilden und sich höher zu qualifizieren."

 

Seit 2003 gibt es ein bundeseinheitliches Altenpflegegesetz, in dem die Ziele der Ausbildung festgelegt sind und das Bestandteil des Ausbildungskonzeptes im Evangelischen Diakonissenring ist. So sollen die zukünftigen Fachkräfte in der Altenpflege zum einen die fachlich-medizinischen Kenntnisse für die Pflege erwerben und bei der Behandlung kranker und alter Menschen mitwirken, aber auch in der Gesundheitsfürsorge und der Ernährungsberatung oder auch bei der Begleitung Sterbender Fachkenntnisse erwerben. Die Pflege und Betreuung alter Menschen umfasst zudem deren Beratung in sozialen Angelegenheiten. Vor allem soll den alten Menschen Hilfe zur eigenständigen Lebensführung zuteil werden.

 

Die guten Berufsperspektiven sind das eine, die hohen Belastungen für die Pflegekräfte das andere. Wer seine Zukunft in der Altenpflege sieht, muss physisch und psychisch belastbar und stabil sein. Das ist auch den Azubis beim Diakonissenring klar. "Man muss klar trennen zwischen Beruf und Privatem", sagen Jennifer Böhringer und Ludmilla Karazej. Will heißen: man sollte nicht jedes menschliche Schicksal oder Leid mit nach Hause nehmen. Ein Grundsatz, den Fachkräfte in allen Pflegeberufen befolgen. "Aber genau das lernen wir ja auch in der Ausbildung."

 

Noch eine weite Wegstrecke liegt vor Jennifer Böhringer und Ludmilla Karazej, bis sie ihr Ziel als Fachkraft in der Altenpflege erreicht haben. Die Mühe wird sich auf jeden Fall lohnen, schließlich stehen ihnen später alle beruflichen Optionen offen. Nicht zuletzt aber werden sie täglich für ihren Einsatz belohnt. Der Kontakt zu den alten Menschen sei jeden Tag aufs Neue eine große Bereicherung für sie, sagen beide.

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Heimleitung reagiert: »Wir leben von der Substanz«

Erscheinungstag: Donnerstag, 12. Juli 2012

          von THOMAS FÜSSEL und MARKUS PFISTERER

Heimleiter, Pflegedienstleiterin und Mitarbeiter-vertreter des Altenzentrums reagieren auf die Vorwürfe

Das Altenzentrum des Diakonissenrings Metzingen. FOTO: Markus Pfisterer

METZINGEN. Pflege ist ein Knochenjob, physisch wie psychisch belastend. Eingezwängt in ein enges finanzielles Korsett, das die Pflegekassen vorgeben. Ohne Überstunden geht häufig nichts. Dabei weist das Altenzentrum des Diakonissenrings in Metzingen derzeit zweieinhalb Stellen mehr auf, als in der sogenannten Leistungs- und Qualitätsvereinbarung vorgesehen ist; Stellen, die von den Pflegekassen nicht finanziert werden. Das erklärt der Geschäftsführer des Diakonissenrings Bernhard Feige, der damit auf Vorwürfe reagiert, die sich gegen die Arbeitsbedingungen im Altenzentrum richten.

Dennoch gebe es hohe Fehlzeiten. »Wir lagen schon beim Doppelten von dem, was in der Branche üblich ist«, räumt Feige ein. Das Problem ist erkannt: Von 2010 auf 2011 sei hier schon eine Verbesserung um 12,5 Prozent erreicht worden - in enger Abstimmung mit der Mitarbeiter-Vertretung. Ziel sei eine durschnittliche Fehlzeitenquote.

Die Gründe seien vielschichtig. Teils liege es an der Altersstruktur der Mitarbeiter. Nach zehn, zwanzig oder mehr Jahren in der Pflege zeige die Belastung Folgen. Knie-, Schulter- oder Rückenbeschwerden, aber auch Stress machten sich bemerkbar, erläutert die Pflegedienstleiterin Doris Alford. Meist sei dies verbunden mit langen Ausfallzeiten. »Seit 2007 werten wir das aus und versuchen dem entgegenzuwirken.« Der Betriebsarzt sei deshalb regelmäßig im Haus, gebe überall da, wo es notwendig erscheint, Tipps und Anregungen.


Der Vertreter der Mitarbeiter, Thomas Rist, spricht von einem Teufelskreis. Wer über Wochen für Kollegen einspringt, läuft Gefahr, anschließend selbst krank zu werden.

Weil sich Krankheit nicht planen lässt, hat der Diakonissenring auch schon Pflegekräfte von Zeitarbeitsfirmen eingestellt. »Das ist und kann aber nicht das Ziel sein«, unterstreicht Bernhard Feige: »Wir setzten auf eigene Mitarbeiter.« Den höheren Personalschlüssel zahle der Diakonissenring im Übrigen aus eigener Tasche. Laut dessen Vorsitzenden, Heinrich Niebling, sei das aber endlich. Den Vorwurf, der Diakonissenring spare bewusst, weist er damit zurück.

400 Überstunden, ja in einem Fall sei das der Fall gewesen, sagt Feige. Einige wenige Mitarbeiter hätten noch über 100 Stunden. Zwölf Tage Dienst am Stück, ja auch das gebe es. Das sei im Tarifvertrag verankert. Diese Mitarbeiter seien aber nur wenige Stunden am Tag im Haus. Zum Beispiel morgens, wenn die Bewohner fertiggemacht werden: Waschen, anziehen, frühstücken. Danach, so die Pflegedienstleiterin Doris Alford, sei diese Vollbesetzung so nicht mehr erforderlich. »Die Personaldecke entspricht den Vorgaben«, unterstreicht sie

Wie steht es mit der persönlichen Zuwendung? Darum bemühten sich alle Mitarbeiter. Doch das sei kaum mehr möglich, räumt die Geschäftsführung des Diakonissenrings ein. Dazu fehle inzwischen die Zeit. »Der Gesetzgeber verlangt immer mehr, dies wird aber nicht angemessen vergütet.« Zum Beispiel die Dokumentationspflicht. Die umfasst jeden Handgriff und macht inzwischen bis zu 30 Prozent der Arbeitszeit aus. »Ein Problem, das die ganze Branche hat.« Für die Pflegekräfte sei dies eine tägliche Herausforderung unter schwierigen Rahmenbedingungen. Unterstützt werden sie deshalb vom Seelsorge- und Betreuungs-Team und vielen Ehrenamtlichen.

Dass Auszubildende im dritten Lehrjahr die Schichtleitung übernehmen, sei üblich und diene der Praxisvorbereitung. Allerdings hätten sie immer eine Fachkraft im Hintergrund. »Sie wissen, an wen sie sich wenden können.«

Für jedes der drei Häuser nur eine Nachtwache, das entspreche den Vorschriften. »Wir setzen zusätzlich noch einen Springer ein«, sagt Doris Alford. Richtig sei, für die Ganzkörperpflege seien Badetage festgelegt. Falsch sei dagegen, dass über 30 Bewohner in nur zweieinhalb Stunden in die Wanne und wieder heraus müssten. »Das geht gar nicht«, wundern sich die Leute beim Diakonissenring. Duschen sei die Regel, abgesehen einmal von der täglichen, ganz normalen Körperpflege. (GEA)

 

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Pflegekraft beklagt: »Sind chronisch unterbesetzt«

Erscheinungstag: Donnerstag, 12.7.2012

               von MARKUS PFISTERER und THOMAS FÜSSEL

Pflegekraft im Altenzentrum des Evangelischen Diakonissenrings beklagt gravierende Missstände

Pflege ist Schwerstarbeit. FOTO: dpa

METZINGEN. Michi X. (Name geändert) ist mit den Nerven am Ende. Die Pflegekraft arbeitet im Altenzentrum des Evangelischen Diakonissenrings und beklagt dort untragbare Zustände. »Vom Personal her sind wir chronisch unterbesetzt.« Zwölf Tage Dienst am Stück seien für die Mitarbeiter an der Tagesordnung. Einzelne Beschäftigte schöben bis zu 400 Überstunden vor sich her, ehe sie in den Zwangsurlaub geschickt würden. Andere packten den Dauerstress nur begrenzt:

»Regelmäßige Krankzeiten sind gang und gäbe.« Fallen Mitarbeiter wegen Krankheit oder Überstundenabbau aus, dürfen die Diensttuenden noch mehr Last tragen. »Wie ich höre, ist die Krankheitsrate im Diakonissenring so hoch wie in keinem anderen Heim.«

Nicht nur die examinierten Fachkräfte und die Pflegehelfer, auch die Azubis sind dick in der Pflicht. Diese müssen laut Michi X. immer wieder die Schichtleitung übernehmen und tragen dann die volle Verantwortung einer examinierten Fachkraft: Medikamente verteilen, Fragen für Arztvisiten vorbereiten, Mitarbeiter delegieren.

Die Belastung der Pflegekräfte sei im Altenzentrum des Diakonissenrings so hoch, dass auch die Bewohner darunter zu leiden hätten, berichtet Michi X.: »Wir haben keine Zeit für sie.« Sodass vor allem die seelische und mentale Zuwendung zu kurz kommt: die persönliche Ansprache, das Auf-den-anderen-eingehen, die innere Zuwendung, die mehr als ein paar Minuten kostet und Energie der Mitarbeiter fordert. Gesetzliche Pflicht sei, dass eine examinierte Pflegefachkraft für maximal 25 Pflegebedürftige zuständig ist. »Bei uns ist eine Fachkraft für zwei Bereiche mit zusammen über 40 Bewohnern zuständig.« Im Notfall muss jemand springen. Und könne dann vielleicht nicht so sorgfältig auf den Einzelnen eingehen. Eine Bewohnerin war gestürzt und habe - mindestens - eine Platzwunde gehabt. Erst am Tag danach, berichtet Michi X., rief der/die zuständige Mitarbeiter(in) beim Arzt an. »Er/sie konnte nicht mehr.«

Die knappe Personaldecke führe auch dazu, dass an der Hygiene gespart werde. Lediglich einmal in der Woche, sagt die Pflegekraft, würden die Bewohner der beiden beschützenden Bereiche gebadet. »Binnen ganzer zweieinhalb Stunden müssen die 19 beziehungsweise 14 Bewohner der Bereiche alle dran gewesen sein« - fast ein Ding der Unmöglichkeit, wenn Menschen nur noch ein Schatten ihrer selbst sind, kaum aktiv an der Körperpflege mitmachen können.

Auch in der Tagespflege sei das Personal knapp. So knapp, dass, so die GEA-Informationsperson, dort häufig ein einziger Mitarbeiter von 8.15 bis 16.15 Uhr ohne Pause im Einsatz ist, der bis zu zehn Besucher zu betreuen hat: Frühstück machen, mit den Besuchern malen oder basteln, Mittagessen zubereiten und immer ein Auge auf »Tischflüchtlinge« haben, die stürzen oder weglaufen könnten.

»Es muss sich etwas ändern«, findet Michi X.. Die Heimaufsicht beim Landratsamt und die Arbeitsaufsicht sind eingeschaltet. Die Ergebnisse einer Besprechung mit der Heimaufsicht empfand die Pflegekraft als »sehr niederschmetternd«. Die Heimaufsicht könne lediglich Auflagen aussprechen und auf die Einhaltung achten. »Dass unsere Nachtwachen unterbesetzt sind, ist legal«, hat Michi X. erfahren. Denn in jedem Haus ist laut Gesetz eine Nachtwache ausreichend. »Dass unsere Nachtwachen aber keine Pausen machen können, interessiert niemanden.« Beschwerden bei der Pflegedienstleitung gibt es laut Michi X. jede Woche. Doch »wer sich wehrt, bekommt Hammerdienste«. Und Vertröstungen folgten. »Sie tun nichts, was uns hilft.«

Missstände in Altenpflegeheimen sind vielerorts bekannt. Die Zuschüsse der Pflegekassen sind begrenzt, die Arbeit der Pflegekräfte ist hart und schlecht bezahlt. Im Fall Metzingen erhebt Michi X. allerdings einen zusätzlichen Vorwurf: »Der Evangelische Diakonissenring spart bewusst.« Weniger Bewohner oder mehr Mitarbeiter - zwei Alternativen, die die Pflegekraft als Auswege sieht.

Auf Michi X. wird der Betreiber des Altenzentrums verzichten müssen. »Ich werde dort nicht bleiben.« (GEA)

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Eine Einrichtung setzt Akzente

Erscheinungstag: Montag, 2. Juli 2012

                              von CAROLA EISSLER

Der Diakonissenring feiert

Sechs Jahrzehnte im Dienste der Menschen: Der Evangelische Diakonissenring feierte am Sonntag sein 60-jähriges Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür im Metzinger Altenzentrum. In einer Zeit gesellschaftlicher Veränderungen und neuer Herausforderungen für die Pflege will die Einrichtung, die 171 Bewohner beherbergt, Akzente setzen.

Geschäftsführer Bernhard Feige (rechts) und Heinrich Niebling, ehrenamtlicher Vorstand des Diakonissenrings, schnitten die Jubiläumstorte an, während im Haus gefeiert wurde. Fotos: Thomas Kiehl

Geschäftsführer Bernhard Feige (rechts) und Heinrich Niebling, ehrenamtlicher Vorstand des Diakonissenrings, schnitten die Jubiläumstorte an, während im Haus gefeiert wurde. Fotos: Thomas Kiehl

Metzingen. Ein großer Festtag für den Evangelischen Diakonissenring in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche: Vor 60 Jahren gegründet, feierte das Werk am Sonntag mit einem Tag der offenen Tür im Altenzentrum Jubiläum.

 

Die Bewohner des Alten- und Pflegeheims des Evangelischen Diakonissenrings standen gestern im Mittelpunkt. Egal ob im Haus am Weinberg, im Haus am Eck oder im Haus am Park: Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten sollte es vor allem um die Menschen gehen, die vom Evangelischen Diakonissenring und dessen Mitarbeitern sowie Ehrenamtlichen betreut werden.

 

1952 war der Evangelische Diakonissenring von dem damaligen Pfarrer Richard Neumaier als Schwesternschaft gegründet worden. Sechs Jahrzehnte später ist der Diakonissenring von der Größe her ein mittelständisches Unternehmen, das sich am Markt behaupten muss und den gesellschaftlichen Strukturveränderungen Rechnung trägt. Ohne dabei den Grund zu vergessen, auf dem das Werk steht: Auf dem diakonischen Gedanken, dass jeder Mensch vor Gott wertvoll ist.

 

Geschäftsführer und Heimleiter Bernhard Feige betont denn auch: "Die Menschen müssen im Mittelpunkt stehen. Das ist eine Herausforderung an die Politik, aber auch an unsere Einrichtung." Die Zukunft der Diakonissenrings werde von großen Veränderungen geprägt sein. Da ist zum einen der Anspruch des Diakonissenrings, dass Pflege bezahlbar bleibt und die Qualität stimmt, wie Feige verdeutlicht. "Die Erwartung an die Qualität der Pflege ist riesig. Aber dies alles muss auch bezahlbar bleiben." Da ist zum anderen die Herausforderung der Zunahme an Pflegebedürftigen und an Demenzkranken. Die Betreuungsangebote werden immer vielfältiger, die Ausbildung spezifischer und spezialisierter. "Wir wollen die Lebensbereiche unserer Bewohner aufwerten, zum Beispiel durch sinnhafte Tätigkeiten bei den Betreuungsangeboten." Dabei verbessere der Diakonissenring ständig die Zusammenarbeit mit den Angehörigen. "Vieles geht nur im Miteinander", sagt Feige. Angehörigentreffen, Infobriefe, eine stets aktuelle Homepage im Internet sind wichtige Standbeine der Kommunikation. "Und in Zukunft planen wir noch mehr Angebote und Fachvorträge zu spezifischen Themen."

 

171 Bewohner, 110 Vollzeitstellen, 165 Mitarbeiter, vier Auszubildende pro Jahr und zahlreiche Ehrenamtliche sind die reinen Zahlen zum Diakonissenring im Jubiläumsjahr 2012. Dahinter verbirgt sich ein lebendiges Unternehmen, das nicht nur den Zwängen der Finanzierung im Gesundheitswesen unterworfen ist, sondern in einer sich verändernden Gesellschaft Akzente setzen will. Zum Beispiel durch die Investition in die Pflege, zum Beispiel durch stete Ausbildung.

 

Vier Azubis nimmt die Einrichtung pro Jahr auf, im Rahmen einer Gesamtausbildung von drei Jahren sind dies zwölf zukünftige qualifizierte Pflegekräfte. Eine Investition, die sich lohnt, wie Feige betont, schließlich suchen viele Pflegeeinrichtungen händeringend nach Fachpersonal. Beim Evangelischen Diakonissenring setzt man deshalb gezielt auf die eigene Ausbildung. "Es zahlt sich aus, wenn man in die Ausbildung investiert." Dass die Metzinger Einrichtung bei Schulabgängern beliebt ist, zeigt laut Feige die hohe Zahl an Bewerbungen jedes Jahr. "Altenpfleger haben derzeit gute Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt." Investiert wird gleichzeitig in Qualifizierungen des Fachpersonals, wie Feige betont.

 

Keine Frage, die derzeit guten Perspektiven für das Fachpersonal dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein Altenpfleger hohen psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt ist. Feige weiß deshalb wie wichtig es ist, Mitarbeiter ernst zu nehmen, ihre Ideen umzusetzen und sie zu motivieren.

 

Auch ein Tag der offenen Tür wie gestern kann dabei solch ein Motivationsschub sein. Vor allem, wenn es anlässlich des Jubiläums so viel Lob von allen Seiten gibt. Nach dem Festgottesdienst am Morgen starteten auf dem gesamten Gelände des Diakonissenrings die vielfältigen Aktionen von Geschicklichkeitsspielen über Rundfahrten mit der Rikscha und Hausbesichtigung bis zu Filmvorführungen, Vorträgen, Weinverkostungen, Volkstänzen und einem Waschtag aus früheren Zeiten. Ein Drehorgelspieler und die Tanzgruppe der Siebenbürger Sachsen sorgten für die richtige Unterhaltung.

 

Der Evangelische Diakonissenring präsentierte sich nicht nur mit einem Blick auf die vergangenen sechs Jahrzehnte, sondern vor allem mit einem Blick in die Zukunft der Einrichtung und in die Zukunft der Altenpflege und Seniorenbetreuung in den kommenden Jahrzehnten. Dabei steht eines fest: Auch die Wohnformen für Senioren werden sich ändern, während die Zahl der stationären Pflegeplätze steigen wird. Gerade deshalb, betont Feige, seien generationenübergreifende Kooperationen und Netzwerke zugunsten einer zukunftssicheren Seniorenbetreuung so wichtig. Aber auch diesbezüglich sei man in Metzingen auf einem guten Weg.

Originaldokument Südwestpresse - zum Vergrößern bitte anklicken!

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Tag der offenen Tür im Altenzentrum

Erscheinungstag: Freitag, 29.6.2012

                               Autor: SPW

Metzingen.

 

Am Sonntag, 1. Juli, sind die Türen im Evangelischen Diakonissenring Metzingen geöffnet. Zu diesem Tag sind Einwohner aus Metzingen und Umgebung, die Angehörigen der Bewohner im Pflegeheim und Tagespflegegästen sowie Freunde des Evangelischen Diakonissenrings willkommen. Auftakt ist um 9.45 Uhr mit dem Gottesdienst im Festsaal unter der Leitung von Pfarrer Dr. Jörg Lamparter.

 

Ab 11 Uhr erwarten die Gäste vielfältige Angebote auf dem Gelände und im Haus am Weinberg für die ganze Familie. Gerne wird man informiert und beraten rund um das Thema Pflege. Es wird die Möglichkeit geboten, die Räumlichkeiten zu besichtigen. Ab 13.30 Uhr werden Fahrten mit der Rikscha rund um das Gelände des Hauses am Weinberg angeboten.

 

Für die kleinen und großen Gäste gibt es Geschicklichkeitsspiele mit tollen Preisen zu gewinnen. Ab 14.30 Uhr wird ein Kasperltheater in der Kindertagesstätte angeboten. Für Fußballfans und sportliche Besucher gibt es ab 15 Uhr die Aktion "EM-Eimerschießen-Spezial". Für das leibliche Wohl wird bestens gesorgt sein. Die Tanzgruppe der Siebenbürger Sachsen wird um 16.45 Uhr Volkstänze aufführen. Der Evangelische Diakonissenring Metzingen feiert außerdem in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen. Es wird Interessantes und Wissenswertes von der Gründung bis zur Gegenwart präsentiert.

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60 Jahre Diakonissenring Metzingen

Erscheinungstag: Samstag, 9. Juni 2012

                               von CAROLA EISSLER

Ein maßgeschneidertes Leben

Foto: Thomas Kiehl

Ihr Lebenskonzept ist eigentlich gar nicht kompliziert: Gottvertrauen, eine Portion Fröhlichkeit und den unermüdlichen Wunsch, die Liebe Gottes unter die Menschen zu bringen. Egal ob vor 60 Jahren oder heute.

Der Evangelische Diakonissenring wurde vor 60 Jahren als Schwesternschaft gegründet

Metzingen. Es war Pionierarbeit. Ein Pfarrer und eine Handvoll junger Frauen gründeten vor 60 Jahren den Evangelischen Diakonissenring als Schwesternschaft. Und revolutionierten die diakonische Arbeit in Metzingen.

Das Gelingen ihres Lebens lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Gottvertrauen. "Wir waren ein ganzes Leben lang immer für andere da", sagt Schwester Gertrud Kost, die zu den Mitgründerinnen des Werks gehört. "Und wir haben immer erfahren, dass es auch in schwierigen Zeiten weitergeht." Nur kurze Zeit nach der Gründung des Evangelischen Diakonissenrings 1952 stieß auch Emma Heim zur Schwesternschaft dazu, später dann Luise Vogel. "Ich wollte eigentlich gar nicht so lange bleiben", sagt Schwester Emma Heim. "Aber heute weiß ich, dass es ein für mich maßgeschneidertes Leben ist." Insgesamt sieben Schwestern gehören heute noch zum Evangelischen Diakonissenring.

 

Wer heute das Altenzentrum in Metzingen betritt, kann sich wohl kaum vorstellen, dass dessen Realisierung dem Mut und Engagement von wenigen Menschen zu verdanken ist. Wäre Pfarrer Richard Neumaier Anfang der 1950er Jahre nicht nach Metzingen gekommen, um für die Volksmission der evangelischen Landeskirche das Evangelium zu verkünden, würde es heute womöglich keine diakonische Altenarbeit in der Sieben-Keltern-Stadt geben. Aber der Missionar, den die Liebenzeller Mission wegen damaliger politischer Unruhen in seinem Einsatzland in Fernost wieder zurückholen musste, kam und predigte. Auch Gertrud Kost hörte ihn. Und konnte die Predigt nicht mehr vergessen. "Ich hatte mir schon lange gewünscht, in eine Schwesternschaft einzutreten. Aber ich konnte mir ein Leben mit engen Regeln, wie sie bei den damals bestehenden Gemeinschaften üblich waren, nicht vorstellen."

 

Als Pfarrer Neumaier die Idee kundtat, eine Schwesternschaft zu gründen, die weder Kleiderordnung noch ein lebenslanges Gelübde noch strenge Vorgaben verlangte ("weil man von den Menschen nicht mehr verlangen darf, als das Evangelium verlangt"), war Gertrud Kost mit dabei. 1952 wurde in Neumaiers damaligem Wohnort Freudenstadt der Evangelische Diakonissenring gegründet. Ein Leben nach der Bibel zu führen, aber in aller Freiheit, so lautete die Leitlinie der Gemeinschaft.

 

Für die jungen Schwestern, die das Evangelium und den Glauben ganz praktisch leben wollten, gab es genügend Arbeit und sie krempelten die Ärmel hoch. Die Metzinger Zeit des Diakonissenrings begann 1955 mit der Eröffnung eines kleinen Altenheims im Haus von Familie Gaenslen in der Olgastraße. Auch für das kleine städtische Krankenhaus, der sich in der heutigen Musikschule befand, wurden neue Pflegekräfte gesucht. Schwester Gertrud Kost hatte damals gerade ihre Ausbildung zur Krankenschwester abgeschlossen und übernahm mit vier weiteren Schwestern die Arbeit. "Einen acht-Stunden-Tag gab es nicht", erinnert sich Schwester Gertrud Kost. Dafür eine Menge Arbeit in Pflege, Hauswirtschaft und Garten, der ebenfalls zum Krankenhaus gehörte. "Einmal brachte ein Patient sogar seine Hasen mit, weil niemand sie versorgte."

 

Vor allem aber kamen Frauen zur Entbindung ins Krankenhaus. Und den Schwestern wurde eine neue Aufgabe vor die Füße gelegt: in Metzingen brauchte es dringend ein Säuglings- und Kinderheim. 1960 kaufte der Diakonissenring die Villa Winkler an der Neuffener Straße, das heutige Gästehaus unterhalb des Altenzentrums. Dort bauten die Schwestern ein Säuglingsheim auf. Das war auch bitter nötig. Denn vor allem uneheliche Kinder und solche aus schwierigen Verhältnissen hatten in den 1960er Jahren nicht viele Chancen auf ein liebevolles Zuhause. In der Neuffener Straße und in der Wilhelm-Carl-Straße, wo 1963 das Kinderheim eröffnet wurde, fanden die Sozialwaisen ein Heim. "Im Nu war unser Haus voll", erinnern sich Gertrud Kost und Emma Heim. Bis zu 80 Kinder befanden sich damals in der Obhut des Diakonissenrings in Metzingen, zunächst nur die Kleinen, nach einer Gesetzesänderung durften auch die größeren Kinder bleiben. Bis 1975 blieb die Villa Säuglingsheim, bis 1978 existierte das Kinderheim. "Es war eine wunderbare Zeit", erinnern sich die Schwestern. Den Kindern boten sie das, was diese vor allem brauchten: Ein Zuhause, wo sie gefördert und angenommen wurden, wo die Schwestern Mutter und Vater gleichermaßen ersetzten. "Wir waren eine große Familie, unternahmen viel miteinander, machten Ausflüge und waren einfach immer zusammen."

 

Die Villa in der Neuffener Straße wurde nach der Schließung des Säuglingsheims zum Gästehaus. Bereits 1968 hatte der Diakonissenring das Altenheim mit 132 Plätzen auf dem Areal gleich oberhalb der Villa eröffnet, 1974 war das Feierabendhaus für die Schwestern gebaut worden. 1982 erfolgte der Erweiterungsbau des Altenheims.

 

Es ist ein Geheimnis, dass Menschen, die sich stets für andere einsetzen, nichts in ihrem Leben verlieren, sondern hinzu gewinnen. Ein Geheimnis, das schon die Bibel so beschreibt. So haben es auch die Schwestern erfahren. Denn mit den Aufgaben, die ihnen übertragen wurden, wuchsen auch sie in ihrem eigenen Leben und Glauben. Die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit haben sie nie gekannt, einfach deshalb, weil für sie der Beruf und die Arbeit, in der sie sich engagierten, auch Berufung war. Diakonie und Mission gehörten für die Diakonissen stets zusammen, weshalb auch bis heute die "Schriftenmission", die bereits ein Jahr vor dem Diakonissenring ins Leben gerufen worden war, ein wichtiger Teil der Arbeit ist. "Die Verkündigung von Pfarrer Neumaier hat uns damals einen weiten Horizont vermittelt", erinnert sich Luise Vogel. Und Gertrud Kost fügt hinzu: "Das waren keine Wohlfühlpredigten, sondern Predigten mit Tiefgang."

 

Das Gästehaus mit seinem schönen, blühenden Garten ist heute das Wirkungsfeld der Schwestern, bei Andachten, Gottesdiensten, Bibelarbeiten und bei der Verkündigung sind sie engagiert. "Wir möchten etwas bewegen und den Menschen Wertschätzung entgegen bringen." Ins Gästehaus laden sie zu den monatlichen Geburtstagsfeiern für die Senioren des Altenheims ein. "Viele ältere Menschen empfinden sich als unwert. Wir wollen ihnen einfach sagen, wie sehr Gott jeden Menschen liebt." Eine Erkenntnis, die die Schwestern ein ganzes langes Leben lang durchgetragen hat. Und in ihren Aufgaben weiterhin trägt. Denn von Ruhestand wollen die drei freilich nichts wissen. Das würde auch so gar nicht zu ihnen passen.

Das Originalbild des SWP-Berichts zum Vergrößern!

Hier der Original-Pressebericht zum downloaden.

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Schuften für Afrika

Erscheinungstag: Montag, 21. Mai 2012

                                  von MARA SANDER

Stefanie ging in der Tagespflege des Altenzentrums ihrer doppelt sinnvollen Tätigkeit nach.

Stefanie ging in der Tagespflege des Altenzentrums ihrer doppelt sinnvollen Tätigkeit nach. Foto: Mara Sander

Metzingen. Auch in diesem Jahr hat die Metzinger Seyboldschule die Aktion Tagwerk unterstützt, einen gemeinnütziger Verein, der die bundesweite Kampagne "Dein Tag für Afrika" für Schüler aller Alterstufen und Schulformen organisiert.

 

Die 15-jährige Seyboldschülerin Stefanie König ist eine von vielen, die in diesem Jahr bei der Aktion Tagwerk unter dem Motto "Dein Tag für Afrika" mitmacht und einen Tag lang ihre Arbeitskraft für den guten Zweck zur Verfügung stellt. Sie bekommt dafür kein Geld sondern ihr "Lohn" geht zur Hälfte an die "Aktion Tagwerk" für Bildungsprojekte in verschiedenen Ländern Afrikas, zur Hälfte sind die Löhne der Seyboldschüler für das Schulprogramm des Diakoniezentrums von Tandala in Tansania bestimmt.

 

Betriebe, Kirchen, öffentliche Einrichtungen und Privathaushalte stellten "Arbeitsstellen" zur Verfügung und dürfen natürlich gerne eine "Lohnerhöhung" spenden. Der Richtwert liegt bei mindestens fünf Euro pro Stunde. Stefanie, die seit Februar ihr Tagespraktikum im Bereich Tagespflege im Metzinger Altenzentrum absolviert, bekam auch dort einen Kurzzeitarbeitsplatz für die Aktion. Unter Anleitung von Bereichsleiterin Susanne Ockenden half sie bei der Betreuung der Tagesgäste vom Frühstück bis zur Heimfahrt. Sie richtete den Frühstückstische, spielte, bastelte und sang mit den Senioren. Mit einem Spezialwürfel, der mehrfach die "6" enthält, war ein Waldspaziergang auf dem Spielfeld eines Gesellschaftsspieles wichtig zur Erinnerungspflege, wie die Tiere heißen, was es im Wald alles gibt. Dabei wurde kräftig gesungen, denn auch wen das Gedächtnis nachlässt, können viele noch Liedstrophen auswendig und strahlen regelrecht beim Singen.

 

Von Stefanies Lohn kann übrigens ein Patenkind der Seyboldschule zwei Monate lang in Tandala in die Schule gehen, so dass der Tag dreifach Gutes bewirkte, Hilfe für Afrika und für den Tagespflegebereich sowie Freude bei den Senioren und der Schülerin, die sich vorstellen kann, einen Beruf im sozialen Bereich zu ergreifen.

 

Hier der Original-Pressebericht zum downloaden.

Hier die Website des Projekts: "DEIN TAG FÜR AFRIKA"

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Gelungen geschlungen

Erscheinungstag: Donnerstag, 22. März 2012

                          Autor: MARIA BLOCHING

Pfarrer Dietmar Scheible ging im Café Ikarus auf Form und Herkunft sowie Tradition der Brezel ein. Foto: Bloching

Buttenhausen. Dreimal scheint die Sonne durch die Brezel - ein wichtiges Detail, das laut Legenden zum Entstehen beitrug. Pfarrer Dietmar Scheible sprach im Café Ikarus über dieses gelungen geschlungene Kleingebäck.

 

Wer kennt sie nicht, wer mag sie nicht? Die Brezel ist ein kleines, erlesenes Rund, das in vielen Variationen genossen werden kann. Ein schwäbisches Gebildebrot, das auch mit der Passion Jesu und der Liebe in Verbindung gebracht wird. "Längst ist die Form der Brezel vertraut, man wundert sich nicht über sie". Und dies, so Pfarrer Dietmar Scheible am Dienstagabend im Café Ikarus, obwohl die Brezel ein in sich verschlungenes Gebilde ist, das schon seit vielen Jahrhunderten besteht und seit Beginn des 14. Jahrhunderts bis heute das Zunftzeichen der Bäcker darstellt.

 

Dieses beliebte Gebäck ist mit zahlreichen Sagen, Legenden und Mythen behaftet, die meist mit der Entstehung der Brezelform einhergehen. Scheible hat sich auf Spurensuche begeben und Mönche in einem südfranzösischen Kloster aufgespürt, die Brezeln als Fastengebäck herstellten. "Durch die von seinen Mitbrüdern fromm zum Gebet vor dem Körper gekreuzten Arme hat er sich inspirieren lassen".

 

Während der Fastenzeit wurden die Brezeln an Arme und Kinder verteilt. Einer Legende nach wurde die Brezel im 15. Jahrhundert von einem Bäcker aus Bad Urach erfunden, der durch einen Frevel bei seinem Landherrn Graf Eberhard im Bart sein Leben verwirkt hat. Da der Bäcker jedoch vorher gute Dienste geleistet hatte, sollte ihm noch eine Chance gegeben werden.

 

"Back einen Kuchen lieber Freund, durch den die Sonne dreimal scheint. Dann wirst du nicht gehenkt, dein Leben sei dir frei geschenkt". Also ging der Bäcker ans Werk und erfand die Brezel. "Er formte nach dieser Legende jene Schlinge, die ihm bald um den Hals gelegt werden sollte und bat darum, seine liebe Frau doch noch einmal umarmen zu können. Die Katze sorgte dafür, dass das Gebäck ungewollt in die Lauge fiel", berichtete Scheible.

 

Doch auch in Altenried im Landkreis Esslingen glaubt man diesen Mythos von sich selbst. Hier sind sogar zwei Brezeln im Dorfwappen zu erkennen. Abhängig von Regionen, Traditionen und Anlässen werden die Brezeln unterschiedlich gebacken und genossen. So wird die große Palmbrezel aus süßem Hefeteig hergestellt und mit Hagelzucker bestreut, die "Ärmchen" sind dreimal geschlungen.

 

Früher war es Tradition, ungelaugte Neujahrsbrezeln zu backen. Die bekannteste Form allerdings ist und bleibt die zweifach geschlungene Laugenbrezel, die im Schwäbischen mit dünnen "Ärmchen" und dickem Bauch mit "Ausbund" genossen werden kann. Die badische Brezel dagegen wird insgesamt runder, kompakter und gedrungener gebacken. Für ihre rissige und knusprige Oberfläche ist die bayerische "Breze" ohne geschnittenen Ausbund bekannt. Doch die Brezel hat nicht nur Genuss zu bieten, sie steht auch für das Symbol der Unendlichkeit und wurde früher sogar als Totenbeigabe zur Wegzehrung für die Reise ins Jenseits verwendet.

 

Schon beim 6. Streich von Wilhelm Buschs Max und Moritz taucht die Brezel auf und auch in der Kunst findet sie bei einem Abendmahlgebilde Zugang. Einst waren Menschen davon überzeugt, dass die Brezel Glück und Gesundheit bringt und die Hexen vertreibt. Das Geschlungene soll Gutes festhalten und Böses bannen, es ist Sinnbild für eine Gebetshaltung, vielleicht sogar für die Fesselung Jesus Christus auf dem Ölberg.

Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden am Gründonnerstag Kalk-Brezeln auf Scheunentore als Liebeserklärung gemalt. "Dabei musste darauf geachtet werden, dass das Geschlungene unten und der Bauch oben war. Verwechselte man dies, wurde aus der Liebeserklärung eine Schandbrezel", führte Scheible aus.

 

Wie die leckeren Brezeln auf den Tischen im Café Ikarus bewiesen, ist und bleibt die Brezel ein beliebtes Kleingebäck mit Tradition, das nach wie vor ununterbrochen seine Liebhaber und Genießer findet.

 

Hier der Original-Pressebericht zum downloaden.

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Musik erreicht die Herzen.

Erscheinungstag: 18. Januar 2012

                            Autor:  EVA FOCHT-RABEL

Seit vielen Jahren ist Otto Heymann für den Besuchsdienst aktiv. Foto: Thomas Kiehl

Metzingen. Sich Zeit für andere nehmen, auch das ist ein Akt der Nächstenliebe. Besonders ältere und nicht mehr ganz gesunde Mitbürger freuen sich, wenn bei ihnen der Besuchsdienst des SBM vorbeikommt.

 

Als Otto Heymann, der ehemalige Bezirkskantor der Stadt Metzingen, Rentner wurde, war für ihn klar, dass er sich sozial einbringen wollte. Er entschied sich damals im Jahr 2003, den Besuchsdienst "Freude am Besuchen" zu unterstützen, einen Arbeitszweig des Seelsorge- und Beratungsdienstes Metzingen (SBM), der wiederum in die Trägerschaft des Krankenpflegevereins fällt. Der SBM hatte bereits 1997 einen Besuchsdienst eingerichtet, nachdem immer wieder der Bedarf und der Wunsch nach Besuchen bei älteren Menschen übermittelt worden war.

 

Ziel des Besuchsdienstes ist es seither, alte Menschen regelmäßig zu Hause zu besuchen, aber auch im betreuten Wohnen. Und so kam Otto Heymann vor einigen Jahren auch ins Metzinger Altenheim - er war lange Zeit mit einer älteren Frau spazieren gegangen, hatte sie zu Hause besucht und als sie aus gesundheitlichen Gründen ins Alten- und Pflegeheim überwechselte, ging er sozusagen mit. Seit vielen Jahren nun betreut er zwei Mal die Woche zwei alte Menschen. "Wenn es schönes Wetter ist, gehen wir gerne spazieren - soweit das der gesundheitliche Zustand zulässt. Ansonsten rede ich mit den Menschen, gehe auf sie ein und wir machen gemeinsam das, was ihnen gerade Spaß macht."

 

Eigentlich, so Heymann, habe er gedacht, dass im Altenheim weniger Interesse am Besuchsdienst besteht. Da musste er sich aber in der Praxis vom Gegenteil überzeugen lassen: "Da ist man gemeinsam einsam." Denn untereinander ist es bei den Bewohnern in Altenheimen und bei betreutem Wohnen häufig sehr schwierig, obwohl Heymann auch rühmliche Ausnahmen kennt. Aber viele alte Menschen sind nicht nur körperlich krank, sondern lassen auch geistig nach. "Jeder ist so mit sich selbst beschäftigt, dass er für andere keine Zeit mehr hat", ist seine Einschätzung.

 

Dass er besonders gern ins Altenzentrum geht, hat bei Otto Heymann auch noch einen zweiten Grund: Er macht freitags eine Art musikalische Andacht, wobei er darauf achtet, möglichst bekannte Choräle zu spielen. Dazwischen gibt es eine kurze Lesung, mit bekannten Psalmen, Texten oder Liedtexten, und zum Abschluss ein Gebet. "Auch wenn sie sich an Wichtiges oder Aktuelles nicht mehr erinnern können, Liedtexte oder -melodien sind bei vielen Menschen im Gehirn verankert," ist er sich sicher.

 

Das bestätigt auch Renate Allgaier, die Leiterin Seelsorge und Soziale Betreuung des Alten- und Pflegeheims. Sie findet den Besuchsdienst sehr wichtig, zumal sich viele der Bewohner freuen, wenn Besuch von "außerhalb" kommt. Seit zwei Jahren gibt es im Haus zehn Betreuungskräfte, die als zusätzliche Alltagsbetreuung in den verschiedenen Bereichen tätig sind.

Rund zwölf Mitarbeiter hat der Besuchsdienst "Freude am Besuchen" des SBM momentan, das sind Frauen und Männer ab 40 Jahren aufwärts. Besucht werden Mitbürger von Grafenberg bis Dettingen, wobei jeder Mitarbeiter seine Besuchskapazität selbst bestimmt, und auch - natürlich in Absprache - was an diesen Vor- oder Nachmittagen geschieht. Mitmachen kann jeder, es wird nicht nach Gemeindezugehörigkeit oder Glauben gefragt.

 

Wer sich engagieren möchte, wird erfahren, dass "Freude am Besuchen" ein gegenseitiges Geben und Nehmen ist, das viel Freude bereitet. Denn es freuen sich nicht nur die Besuchten, auch die Besucher sammeln neue Erfahrungen. Mitarbeiter treffen sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch und zur Planung neuer Aktivitäten im Haus "Matizzo".

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Ein ansteckend sonniges Gemüt

Erscheinungstag: Samstag, 18. Februar 2012

                               Autor: Mara Sander

Julie Friedrich feiert am Sonntag ihren 90. Geburtstag

Hat morgen einen runden Geburtstag: Julie Friedrich wird 90 Jahre alt. Foto: Mara Sander

Metzingen. 

"Zwischen Bischof und Gefängnis" antwortet Julie Friedrich auf die Frage, wo sie geboren ist und freut sich, dass sie am Sonntag schon 90 Jahre auf der Welt ist.

 

Den Geburtstag feiert sie im Metzinger Altenheim, wo sie sich seit mehr als zehn Jahren wohlfühlt. "Gute Ware hält sich", erklärt sie ihr gutes Aussehen. "Das Schnaufen hab ich nicht vergessen", nimmt sie kleine Erinnerungslücken mit Humor und ist dankbar, dass sie dem Alter entsprechend noch einigermaßen fit ist.

 

Wo sie helfen kann, hilft sie noch, zum Beispiel beim Abtrocknen. Ihr Motto ist "eine Liebe ist die andere wert", was heißen soll, sie möchte etwas weitergeben, was sie selbst bekommt. "Solange man was machen kann, kann man auch noch helfen", sagt sie und fragt immer beim Pflegepersonal nach, wo sie vielleicht helfen kann. Das Essen schmeckt ihr, "gegessen wird, was auf den Tisch kommt, nicht zu viel und nicht zu wenig", beschreibt sie ihre Ernährungsregel. Die Jubilarin liebt das gemeinsame Singen und Aktivitäten in der Gruppe und lacht sehr gerne. "Lachst, stirbst, lachst nicht, stirbst auch, also lach ich doch lieber", so ihr Tipp für Fröhlichkeit im langen Leben. Ihr ansteckendes Lachen und sonniges Gemüt erheitern manch gesellige Runde auf der Station und vermitteln Lebensfreude. (mar)

 

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Brandursache in Wohnheim ist geklärt

Erscheinungstag: Freitag, 27. Januar 2012

Metzingen.

Der am Sonntag kurz nach 11 Uhr im Schwesternwohnheim des Diakonissenrings in der Neuffener Straße in Metzingen ausgebrochene Brand, bei dem sich vier Bewohnerinnen eine leichte Rauchgasvergiftung zugezogen hatten, ist im Bereich eines Saunaofens in einer seit Jahren stillgelegten Sauna im Untergeschoss des Gebäudes entstanden. Dies ergaben die Ermittlungen der Beamten der Kriminaltechnik der Reutlinger Kriminalpolizei zusammen mit den Sachbearbeitern des Metzinger Polizeireviers.

 

Da jedoch noch nicht eindeutig geklärt werden konnte, ob ein technischer Defekt oder eine versehentliche Inbetriebnahme des Saunaofens und ein dadurch bedingter Hitzestau den Brand verursacht hat, wurde inzwischen auch ein Brandsachverständiger hinzugezogen. Die weiteren Untersuchungen dauern zurzeit noch an.

 

Wie berichtet, war das Feuer im Untergeschoss des Gebäudes in einem Raum ausgebrochen, der vor Jahren als Sauna und nach deren Stilllegung als Abstellraum genutzt wurde. Aufgrund der starken Rauchentwicklung musste das gesamte Wohnheim evakuiert werden. Vier Bewohnerinnen, die Rauch eingeatmet hatten, kamen mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung in umliegende Krankenhäuser. Die Frauen konnten jedoch zwischenzeitlich wieder aus den Kliniken entlassen werden. Ersten Schätzungen zufolge dürfte sich der bei dem Brand entstandene Sachschaden auf mindestens 50 000 Euro belaufen.

 

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Glück gehabt

Erscheinungstag: Donnerstag, 26. Januar 2012

Glück gehabt: Vier Verletzte, ein bis auf Weiteres nicht bewohnbares Haus sowie Sachschaden in noch unbekannter Höhe sind die Bilanz eines Großbrandes, der sich am Sonntag im Schwesternwohnheim des Altenzentrums des Evangelischen Diakonissenrings in Metzingen ereignet hat.

 

Ein Passant hatte der Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst in Reutlingen mitgeteilt, dass aus dem Gebäude Neuffener Straße 3 Rauch dringen würde. Mit dieser Meldung erfolgte um 11.10 Uhr die Alarmierung der Feuerwehr Metzingen. Als diese etwa drei Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort eintraf, war das gesamte Gebäude in dichten Rauch gehüllt, so dass unverzüglich Vollalarm für die Abteilung Kernstadt ausgelöst worden ist.

 

Beim so genannten Feierabendhaus handelt es sich um ein Nebengebäude des Altenheims des Evangelischen Diakonissenrings. Dieses Mitte der 70er-Jahre erbaute dreigeschossige Gebäude wird von ehemaligen Schwestern des Alten- und Pflegeheims bewohnt, die im Alter von 65 bis 85 Jahren sind. Weil es im Gebäude keine Abtrennung zwischen den Fluren und dem Treppenhaus gibt, konnte sich der Rauch nahezu ungehindert im gesamten Gebäude ausbreiten. Zum Ausbruch des Brandes befanden sich sechs Schwestern im Gebäude, von denen zwei noch die Flucht über die Flure gelang. Die anderen Bewohnerinnen hatten sich auf die Balkone geflüchtet.

 

Über die Brandursache konnten Polizei und Feuerwehr noch keine Aussage machen. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Neben der Feuerwehr Metzingen, die mit 13 Fahrzeugen und 85 Feuerwehrleuten vor Ort war, befanden sich auch Polizeikräfte aus Metzingen und Reutlingen mit sieben Fahrzeugen und 13 Kräften an der Einsatzstelle. Stark war auch der Einsatz der Rettungsdienste. Zwei Fahrzeuge und neun Einsatzkräfte kamen vom DRK-Bereitschaftsdienst Metzingen. Zudem entsandte der Rettungsdienst aus Bad Urach und Reutlingen zwei Notarzteinsatzfahrzeuge und drei Rettungswagen mit zwei Notärzten und zwölf Einsatzkräften sowie dem Rettungsdienstleiter.

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Feuer im Schwesternwohnheim in Metzingen

Erscheinungstag: Montag, 23. Januar 2012

                            Autor: PETER KIEDAISCH

Großeinsatz der Feuerwehren bei einem Brand in einem Schwesternwohnheim in Metzingen

Metzingen. Bei einem Brand im Schwesternwohnheim des Diakonissenrings in Metzingen hat es am Sonntagvormittag gegen 11 Uhr mindestens zwei Verletzte gegeben. Das Gebäude musste vollständig evakuiert werden.

 

Ein aus bisher ungeklärter Ursache entstandener Zimmerbrand hat am Sonntag kurz nach elf Uhr im Schwesternwohnheim „Feierabend“ des Diakonissenrings in der Neuffener Straße einen Großalarm der Freiwilligen Feuerwehr Metzingen ausgelöst, deren drei Abteilungen (Stadtmitte, Neuhausen und Glems) mit insgesamt 90 Feuerwehrleuten in 13 Fahrzeugen anrückte. An dem Einsatz waren auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit zwei Notärzten, dem Rettungsdienst und dem Bereitschaftsdienst und sieben Rettungswagen beteiligt. Polizeibeamte aus Metzingen und Reutlingen sperrten das gesamte Gelände weiträumig ab, sodass die Durchfahrt Richtung Kappishäusern und Kohlberg nicht möglich war.

Der Brand war in einem Zimmer im Erdgeschoss ausgebrochen, wobei sich schnell dunkler, beißender Rauch übers offene Treppenhaus ungehindert im gesamten Gebäude ausbreiten konnte und den Fluchtweg für die Bewohnerinnen des Wohnheims abschnitt. Im Haus „Feierabend“ leben derzeit neun Schwestern im Alter zwischen 65 und 85 Jahren, sechs von ihnen befanden sich bei Ausbruch des Brandes im Gebäude, vier von ihnen erlitten Rauchgasvergiftungen und wurden in die Krankenhäuser nach Bad Urach und Reutlingen gebracht.

Für den Einsatzleiter, den Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Metzingen, Hartmut Holder, konnte allein durch die schnelle Alarmierung und das umsichtige Verhalten der im Haus eingeschlossenen Frauen Schlimmeres verhindert werden: „Alles lief sehr diszipliniert ab.“ So erwies es sich als Glücksfall, dass die Frauen nicht aus eigenen Stücken die Flucht übers Treppenhaus antraten, sondern sich teilweise auf den Balkonen stehend von der Feuerwehr abholen ließen.

Über einen Verbindungsgang drohte der Rauch zu einem weiteren Schwesternwohnheim vorzudringen, was die Einsatzkräfte allerdings im letzten Moment verhindern konnten.

Wegen der starken Rauchenwicklung wird das Wohnheim „Feierabend“ die nächste Zeit unbewohnbar bleiben, bis das gesamte Gebäude von Spezialisten saniert worden ist. So lange stehen den Anwohnerinnen im angrenzenden Altenheim Zimmer zur Verfügung. Wie hoch der entstandene Schaden ist, konnte am Sonntag noch nicht beziffert werden.

 

Sie können den Original-Pressetext hier (PDF 118 KB) downloaden.

Hier (PDF 58 KB) können Sie den Einsatzbericht der Feuerwehr Metzingen downloaden.

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Großbrand im Metzinger Altenzentrum: Dichter Rauch versperrte den Fluchtweg

Erscheinungstag: Montag, 23. Januar 2012

                                 von HARTMUT HOLDER

FOTO: Mara Sander

METZINGEN. Am Sonntag brach ein Großbrand im Schwesternwohnheim des Altenzentrums des Evangelischen Diakonissenrings in Metzingen aus.

 

Ein Passant hatte der Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst in Reutlingen mitgeteilt, dass aus dem Gebäude Neuffener Straße 3 Rauch dringen würde. Mit dieser Meldung erfolgte um 11.10 Uhr die Alarmierung der Feuerwehr Metzingen. Als Kommandant Hartmut Holder etwa drei Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort eintraf, war das gesamte Gebäude in dichten Rauch gehüllt, so dass unverzüglich Vollalarm für die Abteilung Kernstadt ausgelöst worden ist.


Beim sogenannten Feierabendhaus handelt es sich um ein Nebengebäude des Altenheims des Evangelischen Diakonissenrings. Dieses Mitte der 70er-Jahre erbaute dreigeschossige Gebäude wird von ehemaligen Schwestern des Alten- und Pflegeheims bewohnt, die im Alter von 65 bis 85 Jahren sind.


Weil es im Gebäude keine Abtrennung zwischen den Fluren und dem Treppenhaus gibt, konnte sich der Rauch nahezu ungehindert im gesamten Gebäude ausbreiten. Zum Ausbruch des Brandes befanden sich sechs Schwestern im Gebäude, von denen zwei noch die Flucht über die Flure gelang. Die anderen Bewohnerinnen hatten sich auf die Balkone geflüchtet.


Aufgrund der unübersichtlichen Lage und der weiteren Zunahme der Verrauchung, erfolgte in kurzen Abständen die Alarmierung der Abteilungen Neuhausen und Glems. Zunächst erfolgte die Suche nach den vermissten Personen. Erst als definitiv klar war, dass sich alle Schwestern auf die Balkone hatten retten können, erfolgte die eigentliche Brandbekämpfung. Ausgebrochen war das Feuer aus bislang noch unbekannten gründen in einem Nebenraum im Untergeschoss. Parallel dazu erfolgte die Rettung der Schwestern über Steckleitern an der Gebäuderückseite. Eine Frau wurde mit einer so genannten Fluchthaube über das verrauchte Treppenhaus ins Freie gebracht. Ein Einsatz der Drehleiter war wegen der Zugänglichkeit in diesem Bereich nicht möglich.


Mit starken Kräften war zudem der Rettungsdienst vor Ort. Neben der DRK-Bereitschaft Metzingen, die mit zwei Fahrzeugen und neun Einsatzkräften vor Ort war, entsandte der Rettungsdienst aus Bad Urach und Reutlingen zwei Notarzteinsatzfahrzeuge und drei Rettungswagen mit zwei Notärzten und zwölf Einsatzkräften sowie dem Rettungsdienstleiter. Die Polizei aus Metzingen und Reutlingen war mit sieben Fahrzeugen und 13 Kräften an der Einsatzstelle, die Feuerwehr Metzingen mit 13 Fahrzeugen und 85 Feuerwehrleuten.

 

Vor Ort informierten sich auch Bürgermeister Dietmar Bez und Kreisbrandmeister Wolfram Auch. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Über die Brandursache konnten Polizei und Feuerwehr noch keine Aussage machen. Wegen der Verrauchung dürfte das Feierabendhaus für die nächste Zeit nicht bewohnbar sein. Während der Löscharbeiten sperrte die Polizei die Neuffener Straße komplett. (GEA)

 

Hier können Sie den Original-Pressebericht (PDF 124 KB) downloaden.

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